• Nach Ablehnung des AfD-Bewirtens : Politik ist eigentlich gar nicht sein Ding - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-ablehnung-des-afd-bewirtens-politik-ist-eigentlich-gar-nicht-sein-ding/24319212.html


    Diese Männer mögen keine Nazis. Gut so. Weitermachen!

    Pasta und Politik: Alessandro Mannozzi gehört das Restaurant Bocca di Bacco. Vor ein paar Tagen hat er die AfD ausgesperrt. Wer ist der Mann?

    Politik ist eigentlich gar nicht seine Sache. Alessandro Mannozzi wird weit über die Grenzen Berlins hinaus geschätzt für die exzellente Küche in seinem eleganten Restaurant Bocca di Bacco, auch für die guten Getränke. Jetzt ist das Restaurant in einem ganz anderen Zusammenhang in die Schlagzeilen geraten – mit unschönen Folgen. Die AfD hatte über einen Assistenten einen Tisch reserviert. Die Rechnung sollte an das Büro geschickt werden. Die Mitarbeiter, die das entdeckt hatten, rieten dem Chef, die Reservierung unbedingt zu stornieren: „Ich musste eine schnelle Entscheidung treffen“, sagt Mannozzi. Er lud die AfD aus.

    Eigentlich hat Mannozzi von seinem Vater gelernt: „Als Gastronom musst du neutral sein.“ Er wolle auch gar nicht belehrend sein, sagt er. Und dass ihm klar sei, dass die AfD eine demokratisch gewählte Partei ist. Abgesehen davon glaubt er, dass man ihr keine Plattform bieten sollte. Andererseits gehe es auch um Menschenwürde und Menschenrechte. Schließlich beschäftigt er Mitarbeiter aus zehn Nationen. Ein schwieriger Konflikt.

    Das Bocca di Bacco ist eines jener genialen Prominentenrestaurants, die als solche nicht in einschlägigen Reiseführern vorkommen, also ein Ort, an dem man auch als internationale Berühmtheit einigermaßen sicher sein kann vor Selfiejägern und aufdringlichen Touristen, die mal einen Star beim Essen fotografieren wollen. Für normale Touristen ist es vielleicht auch ein bisschen zu teuer dort. Als Matt Damon in der Stadt gedreht hat, kam er regelmäßig zum Essen in die Friedrichstraße. Auch George Clooney, Penelope Cruz, Catherine Zeta-Jones und Dustin Hoffman stillten dort schon ihren Appetit auf feine italienische Spezialitäten.

    Empörte Reaktionen auf seine Entscheidung

    Alessandro Mannozzi erschrecken die vielen – auch empörten – Reaktionen auf seine Gewissensentscheidung, die er noch mit leichten Zweifeln getroffen hatte. Zunächst wollte er sich dazu gar nicht sprechen lassen. Eine Flut von Mails kam mit beleidigenden, ausländerfeindlichen und rassistischen Beschimpfungen, sogar mit massiven Drohungen sei eingegangen. Das hat ihm die Augen geöffnet dafür, um welche Wählerschicht es geht. Auf Twitter liefen gleichlautende Beschimpfungen unter verschiedenen Namen.

    Ursprünglich wollte Alessandro Mannozzi gar nicht Gastronom werden. Das Beispiel seines Vaters Massimo Mannozzi war abschreckend. Der hatte kaum Zeit für die Familie, obwohl die Wohnung praktisch über dem Restaurant Bacco lag, Berlins erstem Edelitaliener, und entsprechend berühmt. Dort gaben Freddy Mercury und Rod Stewart Spontankonzerte, Willy Brandt und Romy Schneider schrieben Widmungen ins Gästebuch, Sophia Loren und Gina Lollobrigida schütteten ihr Herz aus. Um die Gäste hat sich Massimo Mannozzi intensiv gekümmert, war, wie sich der Sohn erinnert, „24 Stunden im Einsatz“. Nach 49 Jahren hat er mit 75 Jahren sein Bacco 2016 geschlossen.

    Die Berufung aus Familiengründen

    Warum Alessandro Mannozzi dann nach dem Abitur am Paul-Natorp-Gymnasium doch an die renommierte Hotelfachschule nach Lausanne gegangen ist? Das muss in der Familie liegen. Die Schwester des 48-Jährigen betreibt in der Toskana ein Hotel, das auch viele Berliner Gäste hat. Seine Wanderjahre verbrachte der gebürtige Berliner bei „Four Seasons“, zunächst in London, war dann auch im Gründungsteam des Luxushotels am Gendarmenmarkt, dem heutigen Regent.

    #Berlin #Nazis #Widerstand


  • 1,27 #milliard pour les 0,01% les plus #riches : le gros #cadeau de #Macron enfin chiffré
    https://www.marianne.net/economie/127-milliard-pour-les-001-les-plus-riches-le-gros-cadeau-de-macron-enfin-c

    Alors que la progressivité s’était améliorée entre 2013-2016, elle s’est détériorée depuis l’arrivée de Macron. En moyenne, les 5 034 Français les plus riches ont chacun économisé 253 800 euros.

    [...]

    Au total, ce sont 1,27 milliard d’euros que ces 5.034 bienheureux ont capté sur l’enveloppe de 4,5 milliards pour les 1% des ménages riches (qui correspondent, eux, approximativement, à 550.000 personnes).

    #WID
    Source : https://wid.world
    https://wid.world/wid-publications


  • »Bundesregierung will das Gewerbe vernichten« (Tageszeitung junge Welt)
    https://www.jungewelt.de/artikel/350214.uber-beherrscht-überredungskunst-bundesregierung-will-das-gewerbe-v

    Leszek Nadolskis Aussagen gehen am Kern der Sache vorbei. Er sieht nicht, dass es nicht um mehr oder weniger faire Konkurrenz geht sondern um die Abschaffung eines Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Der Begriff ÖPNV kommt in diesem Interview nicht ein einziges Mal vor.

    Die Argumentation Nadolnis ist besonders schwach, da sich er als Unternehmer über Konkurrenz durch einen anderen Unternehmer beschwert. Das ist der vorgesehene Lauf der Dinge im Kapitalismus und wird von fast allen politischen Kräften als richtig angesehen. Damit macht der Taxifunktionär keinen Stich.

    Um das Maß voll zu machen, lügt er, wenn er vom Taxi als einem transparenten Gewrbe spricht. Die systematischen Betrügereien und Mauscheleien zu Lasten der Fahrer geschehen immer im Dunkeln. Da ist nichts transparent. Was diesen Aspekt angeht, ist sogar Uber transparenter.

    Verlogene Argumente haben den Schwächeren noch nie genutzt. Solange die Taxinternehmer nicht vor der eigenen Tür kehren, steht es schlacht um ihre Erfolgsaussichten im Kampf gegen Uber.

    US-Konkurrent Uber drängt auf den deutschen Markt. Politik öffnet die Türen. Ein Gespräch mit Leszek Nadolski
    01.03.2019 Von Peter Schaber

    Leszek Nadolski ist Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes e. V.

    Sie protestieren aktuell gegen einen Gesetzentwurf aus dem Verkehrsministerium, der den Fahrdienstmarkt liberalisieren soll. Was kritisieren Sie daran konkret?

    Die Punkte, die wir bemängeln, betreffen die Abgrenzung zwischen Mietwagen und Taxen. Es geht uns hier nicht um Firmen wie Sixt, sondern jene, die taxiähnliche Dienste anbieten, also Uber, Berlkönig, Clevershuttle, die nur so tun, als wären sie Mietwagen, aber dieselbe Dienstleistung wie wir anbieten. Anders als wir werden sie aber überhaupt nicht kontrolliert, haben keine Auflagen, keine gesetzlichen Pflichten. Das Berliner Taxigewerbe ist gläsern – durch das Fiskaltaxameter, Zulassung für die Fahrer und was die Ausstattung der Fahrzeuge betrifft. Die genannten Firmen betreiben eine Unterwanderung des Gewerbes. Und dagegen wollen wir uns wehren. Denn zur Zeit sind wir die einzigen, die die Mobilität aller Berliner gewährleisten – was eine App-Vermittlung überhaupt nicht kann. Die schließt ja zum Beispiel ältere Menschen von vornherein aus. Meine Oma wird keine App benutzen, aber kann mit dem Taxi zum Arzt oder zum Kaffeeklatsch fahren. Die Bewahrung unseres Berufes ist in den Plänen des Verkehrsministeriums nicht gesichert. Wir haben den Eindruck, dass die Bundesregierung das Gewerbehttps://seenthis.net/# vernichten will.

    Nun ist zum Beispiel Uber ja ein Milliardenkonzern. Wie macht sich die Konkurrenz auf dem Markt in Berlin bemerkbar?

    Unsere Einnahmen sind um 30 Prozent, manche sprechen sogar von 40 Prozent zurückgegangen. Die Uber-Fahrer sind zur Zeit unseren Schätzungen zufolge mit 1.500 Fahrzeugen in Berlin unterwegs. Die Anzahl der Mietfahrzeuge ist in Berlin letztes Jahr auf etwa 700 Fahrzeuge angestiegen. Dazu kommen solche aus dem Umland, die hier in Berlin wildern. Wir schätzen sie auf zirka 800. Die sind in Königs Wusterhausen, Barnim, Nauen angemeldet. Da gibt es eine Wanderung von Betrieben, die Briefkastenfirmen im Umland anmelden, die sich nicht an die Rückkehrpflicht für Mietwagen halten. So umgehen sie auch die Notwendigkeit einer Ortskundeprüfung. Und dagegen demonstrieren wir. Wir versuchen, die Mobilität in der Stadt zu gewährleisten, halten uns an Gesetze, bezahlen Steuern. Uber tut nichts davon. Die bezahlen keinen Pfennig, so wie Amazon.

    Denken Sie, dass bei der Durchsetzung des gesetzlichen Rahmens für Uber Lobbyismus eine Rolle spielt?

    Selbstverständlich. Die Textbausteine für den Entwurf des Verkehrsministeriums werden doch von Uber geliefert. Es ist soweit gekommen, dass ein Konzern die Gesetze entwirft und dann der Bundesregierung »empfiehlt«, das umzusetzen. Hier sind wir derzeit mit den Koalitionspartnern im Gespräch. Wir haben die SPD auf unserer Seite, gerade die Berliner SPD. Nächste Woche sind wir mit dem Bürgermeister verabredet. Die Linke ist auch auf unserer Seite, und mit den Grünen und der CDU sprechen wir auch. Wir arbeiten auch politisch, um unsere Interessen zu wahren. Wir wollen Uber Paroli bieten.

    Wenn jetzt alle diese Parteien auf Ihrer Seite sind, warum wurde dann in Berlin zum Beispiel der »kleine Personenbeförderungsschein« abgeändert, um Uber einen größeren Pool von Fahrern zu ermöglichen?

    Die Frage stellen wir uns auch. Ich bin gebürtiger Pole, bei uns geht man und kauft einen. Hat man das hier auch so gemacht? Ich will jetzt nicht zu emotional werden, aber sagen wir es so: Uber scheint sehr gut in der Überredungskunst zu sein.

    Am 21. Februar gab es ja einen erfolgreichen Protestauftakt …

    Ja, innerhalb von 24 Stunden haben wir 1.000 bis 1.500 Leute auf die Straße bekommen. Sie sehen, die Sache ist echt brenzlig.

    Wie soll es jetzt weitergehen?

    Es soll jetzt auf der Bundesebene dezentral in verschiedenen Städten demonstriert werden. Köln, Düsseldorf und München haben sich schon angekündigt. Anschließend ist geplant, eine bundesweite Demonstration durchzuführen. In Polen geht man übrigens Anfang April auch gegen Uber auf die Straße. Ein gutes Beispiel gibt es in Spanien. Die haben Mumm. Die haben Uber mit Auflagen so weit getrieben, dass die Spanien verlassen wollen.

    #Taxi #Uber #Unternehmerverband #disruption #Poitik #Widerstand


  • Karl-Marx-Allee: Friedrichshain-Kreuzberg legt sich mit Deutsche Wohnen an | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/karl-marx-allee-bezirk-legt-sich-mit-deutsche-wohnen-an-31617076

    Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg legt sich mit dem Konzern Deutsche Wohnen an. Nachdem die Berliner Zeitung vor kurzem darüber informiert hatte, dass der größte private Vermieter der Stadt rund 700 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee erwerben will, versucht Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne), dem Konzern einen Strich durch die Rechnung zu machen.

    Für drei der vier Gebäudeblöcke an der Allee mit mehr als 600 Wohnungen bestehe zwar kein gesetzliches Vorkaufsrecht, doch prüfe das Bezirksamt die Möglichkeit eines „treuhänderischen Kaufs“, beispielsweise über eine städtische

    Zwei Monate Zeit

    Wohnungsbaugesellschaft, teilt Schmidt den Mietern jetzt in einem Schreiben mit. Betroffen sind die Blöcke C-Nord, C-Süd sowie D-Nord, die alle im Bereich zwischen dem Frankfurter Tor und dem Strausberger Platz liegen. Die Mietwohnungen in diesen Gebäuden wurden laut Schmidt bereits in Eigentumswohnungen umgewandelt. Der jetzt stattfindende Verkauf führe dazu, dass das gesetzliche Vorkaufsrecht für die Mieter ausgelöst werde. Darüber seien die Mieter durch den beauftragten Notar bereits informiert worden. 

    Die Mieter haben zwei Monate Zeit, um von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen – ab Zugang der Mitteilung durch den Notar. Das spezielle Problem in diesem Fall: Sie können nur dann ihre Wohnung kaufen, wenn das Geld für den Erwerb bereits vorhanden sei, schreibt Schmidt in dem Brief. Denn durch die Verträge sei eine Kreditaufnahme bei einer Bank mit Grundbuch-Sicherung noch vor der Eigentumsumschreibung ausgeschlossen. 

    Vorkaufsrecht in Milieuschutzgebieten

    Dass es Mieter gibt, die das Geld parat haben, gilt als unwahrscheinlich. Aus diesem Grund will der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Möglichkeit des treuhänderischen Erwerbs prüfen. Hierbei würde beispielsweise eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft die Wohnung übernehmen und dann weiter an die jetzigen Bewohner vermieten. 

    Beim Block D-Süd, in dem es rund 80 Wohnungen gibt, ist die Ausgangslage eine andere: Dieser Block liegt im Milieuschutzgebiet Weberwiese. Hier hat der Bezirk ein gesetzliches Vorkaufsrecht. Die Deutsche Wohnen kann dies jedoch ins Leere laufen lassen, wenn sie eine Vereinbarung unterzeichnet, in der sie sich zur Einhaltung der Milieuschutz-Ziele verpflichtet.

    Bewohner sind alamiert

    Als Käufer der Wohnungen in der Karl-Marx-Allee tritt laut Stadtrat Schmidt die DWRE Alpha GmbH auf. Dabei handelt es sich laut Geschäftsbericht der Deutschen Wohnen um ein Tochterunternehmen des Konzerns. Gegenstand der Geschäftstätigkeit ist laut Handelsregister unter anderem „der Erwerb und die Veräußerung von Grundstücken“.

    Die Bewohner sind alarmiert. Sie befürchten, dass das Vorkaufsrecht bei dem Geschäft unterhöhlt werde, wie aus einer Stellungnahme des Mieterbeirats hervorgeht – und fordern die Überprüfung der Transaktion.

    #Berlin #Friedrichshain #Karl_Marx_Allee #Immobilien #Gentrifizierung #Widerstand #Politik


  • Interview mit Pappsatt | reclaimyourcity
    http://reclaimyourcity.net/content/interview-mit-pappsatt

    „Die Pappen sind noch lange nicht alle“ - Ein Gespräch mit dem Kunst- und Politkollektiv pappsatt
    (zuerst veröffentlicht in der ak – analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 574 / 17.8.2012 )
     

    Mitten in einem von der Gentrifizierung schwer gezeichneten Stadtteil Berlins hat pappsatt sein zuhause. Hier, im selbstironisch genannten »pappquartier«, traf ak-Autor Hartl Konopka mit Mao, Kelly, Benno, Simit und Tony (alle Namen auf Wunsch geändert) fast den gesamten Kern des Kunstkollektivs, das zu bestimmten Anlässen bis zu 25 Personen umfasst. Der Kampf um die Stadtentwicklung ist das Hauptthema von pappsatt. »Hier ist die Gentrifizierung aber schon durch«, meint Kelly auf die Frage nach ihrer Rolle als KünstlerInnen im Verdrängungsprozess.

    Die erste Aktion hatte pappsatt mit einem Fassadentransparent zur Demo »Mediaspree versenken«. Vier mal sechs Meter groß, Aufschrift: »Ihr habt eure Baupläne ohne uns gemacht«.

    Das Thema Mediaspree war dann auch Inhalt ihres ersten Films. Der wurde unter mehreren Bewerbungen ausgewählt und in Kinos gezeigt, um für den Bürgerentscheid gegen Mediaspree zu mobilisieren. Im Netz wurde er so häufig angeklickt, dass pappsatt für Berlins Viral Video Award nominiert wurde und in der Publikumsabstimmung nur knapp den ersten Preis verpasste.

    Pappsatt erweiterte dann bald sein Interventionsrepertoire. Neben weiteren Mobilisierungsvideos (Fast alle Videos sind abrufbar auf Vimeo) gab es Kunstaktionen auf verschiedenen Demos wie z.B. den Anti-NATO-Aktionen 2009 in Straßburg und Kehl sowie erst vor kurzem bei Blockupy in Frankfurt, ein Musikvideo, einen Lehrfilm mit dem Titel »Was ist Gentrifizierung?«, Workshops, Fassadenbemalungen (Anfragen an: pappsatt@riseup.net) und, inzwischen schon zum dritten Mal, die Gestaltung eines Zirkuszeltes beim Musik- und Kunstfestival Fusion. Von dort waren sie auch ganz frisch nach Berlin zurückgekommen, nach knapp drei Wochen harter Arbeit und kurzem Abfeiern.

    Die Arbeiten und Aktionen des pappsatt-Kollektivs werden breit rezipiert, nicht nur im Internet und in linksradikalen Magazinen wie der Interim. Ihre überdimensionalen character wurden in den Heute-Nachrichten des ZDF gezeigt, ihre Sprechblasen waren in der Berichterstattung zu Blockupy überall zu sehen, ihr Musikvideo »Die Seitenlehne« schaffte es bei den Oberhausener Kurzfilmtagen vor zwei Jahren in die Top Ten, und mit ihrem Film zu einer Häuserräumung kamen sie auf die Titelseite von Springers BZ. »Der Höhepunkt meiner Karriere«, witzelt Benno. In dem recht lebhaften zweieinhalbstündigen Gespräch mit den fünf (zwei Frauen, drei Männer, was in etwa dem Geschlechterverhältnis der ganzen Gruppe entspricht) ging es um ihr Verständnis von politisch eingreifender Kunst, ihre Arbeitsweise, Entscheidungsstrukturen sowie Themen wie Humor, Ferienkommunismus, Hedonismus, Graffiti und Einmischung in Stadtpolitik.

     
    :Fangen wir doch mal mit dem Musikvideo »Die Seitenlehne« an. Wie kam es dazu, und wie habt ihr gearbeitet?

    MAO: Da haben wir zum ersten Mal in einem Riesenteam gebastelt, mit bis zu 25 Beteiligten. 2009 hat uns Lena Stoehrfaktor von Connexion Musical (Politrap-Gruppe aus Berlin) gefragt, ob wir für sie ein Musikvideo machen wollen. Das hat es umgedreht: Vorher hatten wir immer Bilder gemacht u. nachträglich Musik dazu gesucht, jetzt plötzlich haben wir Musik bekommen und sollten einen Film dazu machen. Wir fanden die Musik gut, ihre Inhalte vor allem, und da haben wir nicht lange überlegt. Da haben wir mehrere Monate daran gearbeitet. Im Oktober 2009 haben wir damit angefangen, die Kulisse zu bauen. Im Februar 2010 wurde das Ganze releast. Das Material hatten wir bis Mitte Dezember, im Januar wurde an einem Wochenende gedreht und im Anschluss geschnitten. Vorher waren das zwei Wochen Sweatshop in meinem Zimmer.

    BENNO: Da hat sich dann die Arbeitsweise entwickelt, dass wir Aufgaben aufgeteilt haben. Dass ihr beide (zeigt auf Mao und Kelly) die Kulisse gemacht habt, den Wagen. Und ich hab die Grundstruktur für die Marionetten gemacht. Die Massenaktion war dann, dass verschiedene character entstehen, verschiedene Gesichter, verschiedene Klamotten, verschiedene Hände und Füße, dass das eine bunte Mischung wird.

     

     

     
    :Wer sind die Leute, die dazukommen, und wer definiert sich als pappsatt?

    TONY: Was pappsatt ausmacht und wo wir die Leute auch herhaben, ist die Schnittstelle von sozialen linken Bewegungen und Kunst und Design. Und dass wir innerhalb dieser Schnittstelle die Leute gefunden haben und die mittlerweile auch ganz gut mobilisieren können.

    SIMIT: Der Kern ist pappsatt, aber auch die große Gruppe, die sich dann formiert, ist pappsatt. Auf der Fusion mit 20 Leuten sind wir pappsatt und bei anderen Projekten auch wieder andere.

     

    Als die Räumung der Liebigstr. 14, eines besetzten Hauses in Berlin-Friedrichshain, bevorstand, hat ein Video von pappsatt für Furore gesorgt. Springers BZ titelte: »Linkes Hass-Video gegen Körting«. Die Handlung des Sabotage-Videos wurde hier erweitert um eine fiktive Entführung des Innensenators Körting, der in Anlehnung an das berühmte Schleyer-Foto der RAF ein Schild hält mit der Aufschrift »Seit 4 Tagen nur vegane Pampe«. Ein schwarzhumoriges Spiel mit Bildern von damals, nur dass im Liebigfilm die Körtingfigur zum Schluss freigelassen wird. Wie war es dazu gekommen?

    BENNO: Wir sind keine Verfechter des Gewaltfetischismus und wollen immer was mit Witz und Ironie machen, darin versteckt radikale, militante Forderungen. Ich bin für ein Neben- und Miteinander verschiedener Aktionsformen. Es war sehr wenig Zeit bis zur Räumung, und da haben wir uns eine Story überlegt. Ich hab dann einen Drum’n’Bass-Remix des Songs »Sabotage« von den Beastie Boys gefunden. Das Video zu »Sabotage« fand ich damals so megageil, das hat mich geflasht und auch beeinflusst. Und da haben wir gedacht: Das ist eine super Vorlage, da können wir ein Remake drehen mit einfachen Mitteln. Wir spielten drei Tiere, die für die radikalen Berliner stehen, die sauer werden, wenn sowas passiert. Wir haben dann das Video gemacht, in zwei Nächten geschnitten und ins Netz gestellt. Am nächsten Tag war ich auf einer Party, eben in der Liebig 14, und da hat einer zu mir gesagt: Ey, hast du schon gesehen, das Video ist auf dem Cover der BZ.

    KELLY: Wenn jetzt die Stadt schon großer Themeninhalt bei uns ist und der Konflikt um die Liebigstraße auch ein Konflikt um die Stadt ist, und dann guck ich mir an, wer gegeneinander steht, und genau in dem Moment mit dem Humor einer autonomen Szene diese Sache anzugehen.

    BENNO: Die autonome Szene hat das auch verstanden. Das Titelbild der BZ war dann auf dem Cover der Interim, und da waren auch ein paar Worte an uns gerichtet: An die humoristischen Papp-Autonomen oder sowas. Der Titel war: »Wenn mensch trotzdem lacht.« Das war auch ein bisschen die Absicht. In die Stimmung rein, an dieses »Nehmt ihr uns die Liebig ab, machen wir die City platt« - und dann wird sie halt doch nie platt, jedes Mal nicht - , um mit Humor zu zeigen: Nehmt euch nicht so ernst.
     

     

    :Mit euren Arbeiten erreicht ihr auch noch einmal andere Leute. Da kriegt man richtig Lust, wo hinzugehen und sich zu widersetzen.

    TONY: Ein Punkt ist auch: ein Zeichen zu setzen an andere Gestalter, sich mit politischen Themen zu beschäftigen. Was wir, denke ich, auch geschafft haben. Eine andere Sache ist, dass bei pappsatt die Wahl des Materials wichtig ist. Wir beschränken uns ja auf sehr einfache Mittel, die jedem eigentlich überall, immer, kostenlos oder fast kostenlos zur Verfügung stehen. So dass schon durch die Materialität Do It Yourself nach außen getragen wird.

    BENNO: Apropos Do It Yourself: Gestern war dieser Anarchist aus Holland da und hat die Buchstaben gesehen, die hier auf dem Schrank stehen: DIT. Er hat gemeint: »Wofür steht denn das? Steht das für Do It Together?«

    KELLY: Das ist auf jeden Fall unser neuer Slogan. Ist viel besser als DIY.

    SIMIT: Die Kollektivalternative.

     

    :Ihr wart kürzlich beim Weltkongress der Hedonisten, euer neues T-Shirt hat den Aufdruck »DIEPAPPENSINDALLE« und zitiert damit auch ein Graffito bei der Fusion, das ironisch auf einen Engpass bei der Drogenversorgung hinweist. Welche Rolle spielen denn bei euch Hedonismus und Rausch?

     

    TONY: Ich glaube, dass wir uns jetzt zum ersten Mal mit dem Begriff »Hedonismus« beschäftigt haben, auf diesem Kongress. Wir haben uns noch nicht inhaltlich mit Hedonismus als Ideologie oder Gedanke auseinandergesetzt. Aber ich glaube trotzdem, dass diese Grundidee, Spaß und Lebensgenuss mit Politik zu verbinden oder es als Teil dessen zu sehen, und nicht nur für sich, sondern es mit anderen zu teilen oder zu fordern, dass andere das haben, wichtig für uns alle ist. Da die meisten von uns sehr lebensbejahende Menschen sind, findet sich das schon in unserer Arbeit wieder. Wir sind schon sehr fröhlich, spielerisch.

    KELLY: Was wir mit pappsatt machen, da steckt für mich viel mehr Selbstverwirklichung drin, als ich es vorher in politischen Gruppen erlebt habe. Es hat mir keinen Spaß gemacht, mit 20 Leuten einen Text zu diskutieren.

    SIMIT: Meine große Kritik am Hedonismus ist die starke individualistische Schiene, die ich raushalten will aus unserer Arbeit.

    BENNO: Ich finde, wir zeichnen uns weniger durch Hedonismus aus, sondern eher durch eine krasse Arbeitsethik und Workoholismus. Den Hedonismus gibt’s am Feierabend.

     

     
    :Pappsatt hat zum 1. Mai 2011 eine »Free-Oz«-Aktion gemacht. Was steckt dahinter?

    KELLY: Oz ist ein Sprüher aus Hamburg, der schon seit über 30 Jahren aktiv ist, den man nicht in so eine Sprüher- oder Graffiti-Szene reindeuten kann, weil er sehr abstrakt arbeitet und viel mit Formen macht, mit Smilies und Kringeln und Riesenpizzastücken. Der war insgesamt schon acht Jahre im Knast bzw. in gewissen Anstalten wegen Graffiti oder Sachbeschädigung. Und der hatte jetzt wieder eine Gerichtsverhandlung, wo er zu 14 Monaten Knast verurteilt wurde in der ersten Instanz. Für die zweiten Instanz gab’s dann eine größere Solikampagne, »Free Oz«, auch weil er weitere 14 Monate Knast vielleicht nicht so gut hätte wegstecken können in seinem Alter. Und da haben wir zum 1. Mai bei Tony im Hinterhof große Buchstaben gebaut, die wir mit rumgetragen haben, und daraus ist dann ein kleiner Clip entstanden, der die Praxis von Oz als eine städtische Aneignungspraxis darstellt, um die Stadt für alle bereitzustellen.

     

    :Wie ist die Verbindung von pappsatt zur Graffiti-Szene?

    MAO: Ein großer Teil der Gruppe kommt aus der Graffiti-Szene. Graffiti ist für uns eine Form der Aneignung der Stadt, eine Selbstermächtigung, dass man sich nicht mit den gegebenen Machtverhältnissen zufrieden gibt, sondern dass man die Stadt selbst mit gestaltet. Wir zitieren viele Graffitis in unseren Filmen.

    KELLY: Ich glaube schon, dass die jahrelangen Aktivitäten auf der Straße, sei es Streetart oder Graffiti, und die Praxis, die Stadt zur eigenen zu machen, unseren Blick geweitet haben. Wir mischen uns ein in die großen städtischen Prozesse. Mit Mediaspree hängen wir auch emotional an den Orten, die kaputt gehen, wenn die ihre Investorenträume umsetzen, weil viel von unserer Stadt drinsteckt, wie wir sie schön finden, wie sie in der Spontaneität und auch oft über irgendwelche Gesetze hinweg gemacht wird. Dieser Background in der Straßenkultur war der Zugang, dieses Feld weiter künstlerisch zu bearbeiten. Wie Christoph Schäfer (Autor des Buchs »Die Stadt ist unsere Fabrik«, Verlag Spector Books) sagt: Wenn unser Terrain die Stadt ist, dann sind unsere Berge, in die sich die Guerilla zurückzieht und die Aktionen plant, die Dächer.

     

     

     

    :Euer aktuellster Film war zu Blockupy in Frankfurt, Mitte Mai, dieses Mal ohne Pappe als Material. Dafür haben zehn Leute an einem Leuchttisch aus den Buchstaben CRISIS eine Geschichte gezeichnet, eine Nacht durch, wegen der gleichbleibenden Lichtverhältnisse.

    MAO: Das Schwierige an dem ganzen Projekt war, die Kritik an der EU-Politik, Finanzpolitik in der Krise usw. bildlich darzustellen, ohne sich der Bilder zu bedienen, die schon da sind. Letztendlich kamen wir auf die Idee, einzelne Elemente der Krise rauszunehmen und Aspekte und Auswirkungen bildlich darzustellen. Und dass die Krise keine der Banken ist, sondern bei den Menschen stattfindet, und zwar schon lange, nicht erst in den letzten Jahren.

    SIMIT: Krise ist nicht ein Thema wie NATO oder Dresden, sondern Krise ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das alle Lebensbereiche erfasst und nicht vom Kapitalismus zu trennen ist. Und deswegen saßen wir da und dachten: Wir müssen eigentlich über alles etwas machen. Das war voll problematisch. Dann kam die Idee mit den Buchstaben.

    MAO: Es hat dann plötzlich so einen Spaß gemacht, dass es wie Anstehen war, bis man den Stift bekommen hat. Vorher hatte mich das Thema richtig gequält, und dann wurde es zu einem Selbstläufer.

     

    :Für die Demo selbst wurde auch viel vorbereitet.

    SIMIT: Die Vorbereitung der ganzen Tage in Frankfurt war ziemlich prekär. Von daher war es toll, dass sich pappsatt beteiligt hat, weil hier auch in Masse produziert werden kann.

    KELLY: Es gab einen Faceblock, eine Aktion, die in Zukunft vielleicht öfters eingesetzt werden soll: Gesichter auf Pappen, und auf der Rückseite eine Sprechblase. Man kann sie nebeneinanderhalten und beliebig kombinieren. Mit Sprüchen, was für die Menschen die Krise bedeutet oder welche Auswirkungen sie hat, z.B. »Warum verlier ich immer im Casino?«

    BENNO: Dazu Schilder aus Styropor, die die Berliner Finger in Frankfurt anführen sollten, mit verschiedenen Symbolen zu sozialen Kämpfen und, angelehnt an die italienischen tute bianche, etwas Schutz bieten sollten. Und Masken, zum Schutz gegen Pfefferspray, abgeschaut vom letzten Castor-Protest, aus Overhead-Folien, auf denen um die Augen ein 99% gemalt war, als Anspielung auf den Occupy-Slogan. Super simpel, schaut nett aus und hat einen praktischen Nutzen.

     

     
    :Und woher kommt der Titel pappsatt?

    MAO: Übertragen heißt es: Wir sind voll, wir sind bedient von Werbung, von Politik, wie sie machtmäßig von oben ausgeübt wird, und von vielem mehr. Und dazu das Wortspiel mit der Pappe, weil das unser Material ist.

    BENNO: Pappe ist ja selbst schon eine Aussage: Es ist die Verpackung der Konsumgüter, ein Wegwerfprodukt, das im Müll landet und jederzeit verfügbar ist. Man muss nur zur Papiertonne gehen. Hier ist es noch so, in Berlin, in Deutschland. In anderen Ländern ist es leider schon so, dass die Pappe immer gleich abgeholt wird von Recycling-Leuten, die die paar Cent auch noch brauchen. Von daher ist die Frage, wie lang das hier noch gehen wird.
    MAO: Wenn das passiert, dann bewaffnen wir uns bis an die Zähne.

    SIMIT: Mit Pappschwertern.

    #Berlin #Stadtentwicklung #Widerstand #Gentrifizierung


  • Absage an die Hauptstadt: Definitiv kein Google Campus in Berlin - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/absage-an-die-hauptstadt-definitiv-kein-google-campus-in-berlin/23624804.html

    12.11.2018, 19:47 Uhr - Felix Hackenbruch Robert Klages

    In Lichtenberg hatten sie bis zuletzt auf Google gehofft. „Wir fordern den Berliner Senat und das Bezirksamt Lichtenberg auf, auf Google zuzugehen und die Idee, den Google-Startup-Campus auf dem ehemaligen Stasigelände anzusiedeln, auszuloten“, hatte am Sonntagabend der Aufarbeitungsverein Bürgerkomitee 15. Januar in einer Pressemitteilung gefordert.

    Die weltweit größte Suchmaschine auf dem Gelände der früheren Überwachungszentrale der DDR – für den Verein eine reizvolle Vorstellung. „Wo, wenn nicht hier, wird Google genau unter die Lupe genommen“, sagte Christian Booß, Historiker und Vorstandsmitglied des Vereins noch am Montagmorgen. Doch am Abend die Enttäuschung: Google wird den ursprünglich in Kreuzberg geplanten Campus definitiv nicht in Berlin ansiedeln.

    „Google wird nirgendwo in Berlin einen Google-Campus etablieren“
    Zuerst hatte Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) die Nachricht erhalten. „Google wird nirgendwo in Berlin einen Google-Campus etablieren“, sagte er dem Tagesspiegel nach einem Telefonat mit dem Konzern. Kleinere Kooperationen mit Google seien aber vorstellbar, dafür habe der Bezirksbürgermeister weitere Gespräche vereinbart. Auch die zuständige Senatorin Ramona Pop (Grüne) bestätigte das Aus im Wirtschaftsausschuss am Montag. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Burkhard Dregger zeigte sich verärgert: „Das ist rot-rot-grünes, unternehmensfeindliches und die Zukunftsaussichten zerstörendes Totalversagen“.

    Der Lichtenberger CDU-Abgeordnete Danny Freymark, der die Idee eines Google-Campus auf dem Stasi-Areal mit eingebracht hatte, will trotzdem weiter für eine Ansiedlung von Google werben. „Ich erwarte, dass die Wirtschaftssenatorin proaktiv bei Google für den Standort wirbt“, sagte er. Gleichzeitig hofft er auf eine Realisierung der Idee eines Campus der Demokratie. Demnach könnten dort Studentenwohnheime, Cafés, Bibliotheken und Büros entstehen. „Ideen sind willkommen“, sagte Freymark. Seinen Angaben zufolge wurden große Teile des Grundstücks im Jahr 2004 für einen Euro von der Deutsche Bahn an einen privaten Investor verkauft. Dieser wiederum sei offen für einen Verkauf, so Freymark. Andere Teile gehören Bund und Land.

    Google Campus: Der Irrtum des Kreuzbergertums - Berlin - Tagesspiegel Mobil
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/google-campus-der-irrtum-des-kreuzbergertums/23354200.html

    04.11.2018, 10:06 Uhr Ursula Weidenfeld

    Erst verdienen, dann verteilen: Was alle, die sich jetzt freuen, dass Google sein Berliner Campus-Projekt aufgegeben hat, nicht begriffen haben. Ein Zwischenruf.

    In der vergangenen Woche hat Google sein Campus-Projekt in Berlin begraben und die eigentlich dafür vorgesehene Immobilie als „Haus des sozialen Engagements“ an die Spendenorganisation Betterplace weitergereicht. Diese Entscheidung wurde in Berlin als Beweis dafür gefeiert, dass der Kapitalismus in dieser Stadt nicht alles kann. Doch die gute Laune in Kreuzberg-Friedrichshain offenbart auch etwas anderes.

    Sie zeigt, wie dynamisch sich die Bürger der Hauptstadt von den Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft distanzieren – zum Beispiel von dem Wissen, dass der Wohlstand erst einmal erworben werden muss, bevor man ihn sozialen Zwecken widmen kann.

    Wer die Welt in Böse (Geldverdienen) und Gut (es für soziale Zwecke ausgeben) teilt,  lehnt eine in der Vergangenheit sehr erfolgreiche Arbeitsteilung ab. Er nimmt in Kauf, dass am Ende weder Geld verdient wird, noch welches für soziale Zwecke da ist.

    Es gibt Gründe, Google zu kritisieren. Das berechtigte Misstrauen beginnt beim Verhalten des Konzerns gegenüber Wettbewerbern. Es steigert sich bei der Frage, wo und wieviel Steuern das Unternehmen zu zahlen bereit ist. Und es endet schließlich bei der Sorge um die persönlichen Daten.

    Da sitzen sie in ihrer Oase des vermeintlich Anständigen
    Doch hier geht es um etwas anderes. Wie schon bei dem gescheiterten Bauvorhaben auf dem Tempelhofer Feld mobilisiert das Kreuzbergertum seine Kräfte, um Eindringlinge aus der kapitalistischen Welt abzuwehren. Dabei übersieht es großzügig, dass von den Einkommen der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter nicht nur die Geschäftsleute der Markthalle 9 profitieren. Davon leben auch Baustadträte, Lehrer und Sozialarbeiter.

    Die Nachricht, dass der Google Campus nun zur Hauptbetriebsstätte des sozialen Unternehmertums werden soll, ist ebenfalls nur auf den ersten Blick eine gute. Denn sie zeigt auch, wie sich ein Teil der Stadtgesellschaft in einer Oase des vermeintlich Anständigen einrichtet und das schmutzige Geldverdienen den robusteren Südwestdeutschen überantwortet.

    Von ihren Steuern und Abgaben profitieren die öffentlichen Haushalte Berlins, von ihrem Nachwuchs, ihrem Altruismus und ihren Stiftungen der gemeinnützige Sektor. Ist das nachhaltig?

    Ein Dorf (Kreuzberg) kann mit einer solchen Strategie vielleicht noch durchkommen. Eine Stadt (Berlin) kann es auf die Dauer nicht.

    Fuck off Google - Google-Campus Kreuzberg verhindern!
    https://fuckoffgoogle.de

    Wehren wir uns gemeinsam gegen den Google-Campus in Kreuzberg !
    Ihr könnt euch einbringen! Habt ihr interessantes Material zu den Themen? Wollt ihr am Wiki mitschreiben? Habt ihr Anregungen oder Kritik?

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    Jeden 2. und 4. Samstag (früher am Sonntag) im Monat von 15-19 Uhr findet das Anti-Google Cafe face2face im Kalabal!k (Reichenberger Str. 63a) statt.

    #Berlin #Kreuzberg #Stadtentwicklung #Gentrifizierung #Google #Widerstand


  • #Mals #WunderVonMals #Pestizide #Widerstand Hallo D*s. Zwischendurc...
    https://diasp.eu/p/7166307

    #Mals #WunderVonMals #Pestizide #Widerstand

    Hallo D*s.

    Zwischendurch habe ich manchmal nicht mehr daran geglaubt: doch jetzt ist der Film „Das Wunder von Mals“ (so gut wie) fertiggestellt. Pünktlich 7 Tage vor der geplanten Premiere, werden wir nächsten Sonntag die Kinokopie in Händen halten.

    PREMIERE IN MÜNCHEN

    > Montag, 28. Mai 2018, 20:30 Uhr, Filmtheater am Sendlinger Tor

    Online Bestellung: https://www.filmtheatersendlingertor.de/filmtheater-sendlinger-tor/onlinereservierung (auf AKTUELL klicken und scrollen) Telefonische Bestellung: +49 (0) 89 554636 zu Kassen-Öffnungszeiten (30 Minuten vor Beginn der ersten Vorstellung bis 30 Minuten nach Beginn der letzten Vorstellung)

    Bitte Karten rasch reservieren! Ich selbst habe nur ein kleines Kontingent von „Notfallskarten“, hauptsächlich für (...)


  • Bevölkerung: Warum Berlin viele Einwohner, aber kaum Bürger hat | Berliner Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/bevoelkerung-warum-berlin-viele-einwohner--aber-kaum-buerger-hat-29
    Noch einer, der ins Gentrifiziererhorn bläst. Erstmal alles richtig, was Zahlen und Beobachtungen angeht, aber blind ist der Schreiber dennoch.

    Wie wäre es denn, wenn man den Berlinern einen Grund und vor allem die Möglichkeiten geben würde, sich für mehr als den Rasen vor ihrer Haustür einzusetzen? Die Stadtteilmütter zeigen, das so etwas funktioniert. Es gibt nicht nur das Hamburger Modell, wo Wohlhabende der Stadt etwa spendieren und sie in ihrem Sinne formen.

    Aber keine Sorge, nicht einmal die Verwaltung und ihre Subventionen werden unbedingt für das Entstehen einer neuen Stadtgesellschaft gebraucht. Das kann eher ein Haufen wie die anarchistische #Gewerkschaft #FAU bewirken. Die organisieren Aktionen für Neuberliner, die etwa sgegen ihre Ausbeutung durch internationale Startups unternehmen. Wer da mitmacht, hat etwas fürs Leben. Für ihn und für sie wird Berlin zur Stadt der Solidarität, die man sich gemeinsam mit Gleichgesinnten, mit mutigen Menschen aus der ganzen Welt erobert.

    Früher hieß es „wenn alle klauen, hat jeder was davon“. Das kann man abwandeln und mit Solidarität abschmecken. Die Stadt sind nicht die Häuser. Die sind nur Gehäuse für Menschen und ihre Beziehungen. Nur wer die zum Leben erweckt, der baut die Stadt.

    „Warum ist Berlin so dysfunktional?“, fragte vor einiger Zeit der in London erscheinende Economist. Als bedenkliches Symptom der Funktionsstörung erscheint dem weltweit gelesenen Magazin, dass Berlin Deutschland ärmer macht – ohne die Hauptstadt läge das Bruttoinlandsprodukt pro Person um 0,2 Prozent höher. Unvorstellbar in Frankreich, das ohne Paris um 14,8 Prozent ärmer wäre, Großbritannien ohne London um 11,1 Prozent. Berlins wirtschaftliche Schwäche ist einzigartig unter den europäischen Hauptstädten.

    Hinzu kommen die Mühen des Berliner Alltags – die verstörende Unfähigkeit der Verwaltung, dem steuerzahlenden Bürger grundlegende Dienstleistungen auch nur in durchschnittlicher Qualität und Zuverlässigkeit zur Verfügung zu stellen. Zugezogene, vor allem aus dem Süden Deutschlands, erleben erschüttert die schwierigen Verhältnisse.

    Das britische Blatt erklärte es seinen Lesern mit den historischen Brüchen, die die deutsche Hauptstadt zu verarbeiten hatte: War sie vor dem Zweiten Weltkrieg noch ein industrielles Zentrum, verließen viele wichtige Unternehmen die geteilte, isoliert gelegene Stadt. Nach der Wiedervereinigung gab es wenig Gründe zur Rückkehr.

    Inzwischen wächst zwar die Hoffnung, moderne Firmen könnten mit Zukunftstechnologien eine neue wirtschaftliche Basis schaffen. Doch das behebt die Funktionsstörung in der Verwaltung nicht. Deren Hauptursache liegt vor allem in der irritierenden Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen Stadt und Bezirken – was das Hin- und Herschieben von Verantwortung ungemein erleichtert. Am Ende haftet keiner.

    Verlust um Verlust
    Doch es gibt eine weitere, weniger leicht erkennbare, historisch erzeugte Ursache: den mehrfachen, für die Stadt jeweils nachteiligen Bevölkerungsaustausch. Anders als in Hamburg oder München konnte kein vergleichbar gefestigtes Bürgertum wachsen, das sich seiner Stadt verbunden und verpflichtet fühlt. Statt Empathie für das große Gemeinwesen, herrschten und herrschen Lieblosigkeit und ideologische Verbohrtheit – diesen Eindruck gewinnen jedenfalls jene wenigen, die sich doch bürgerschaftlich über ihr Kleinquartier (gerne Kiez genannt) hinaus engagieren.

    Dieser berlinspezifische demografische Umstand lässt sich nicht an den üblichen Zu- und Wegzugsstatistiken ablesen, die liefern bestenfalls Anhaltspunkte. Es handelt sich weniger um quantitativ messbare, vielmehr um kulturell spürbare Bewegungen der Stadttektonik.

    Erstens: Sichtbar und von erschütternder Dimension fielen die Vertreibung und der Mord an insgesamt 160 000 Berliner Juden aus. Künstler, Wissenschaftler, Mäzene, Architekten, Designer, Journalisten – eine ganze stadtbereichernde Schicht verschwand im Holocaust, nie zu verwindender Verlust. Graues Mittelmaß ergriff die Herrschaft.

    Ein regelrechter Exodus
    Zweitens: Schon während des Krieges begann die Absetzbewegung der Wirtschaft, man verlagerte alles Wichtige in vermeintlich bombensichere Gegenden im Süden Deutschlands.

    Drittens: Der Befreiung vom Nationalsozialismus folgte ein regelrechter Exodus. Gemeinsam mit Unternehmen wie Siemens, AEG und vielen anderen, verließen die Fachkräfte Berlin – auf rund eine Million wird die Zahl der Abgänge geschätzt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DfG) nahm Sitz in Bonn, die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (heute Max-Planck-Gesellschaft) zog vom Berliner Schloss nach München.

    Wer Karriere machen, etwas werden wollte, ging weg – und nahm unschätzbare Werte mit: Kultur, Wissen, Kompetenzen, auch Zahlungskraft. Das galt zunächst für Ost- wie Westberlin. Wer im Osten noch gezögert hatte, saß ab 1961 dort fest.

    Zuzügler aus Westdeutschland
    Stattdessen zog, viertens, eine andere Spezies massenhaft aus Westdeutschland zu: Wehrdienstflüchtlinge, Leute auf der Suche nach sexueller und Freiheit überhaupt, Kämpfer gegen das (bürgerliche) „Schweinesystem“, viele kreativ und lebensfroh, aber keinesfalls Träger von Bürgerlichkeit.

    Sie nahmen vom Staat, was sie in der Frontstadt leichter bekamen als anderswo, nämlich „Staatsknete“. Ansonsten kümmerten sie sich um den US-Imperialismus, Vietnam und um sich selbst. Das Wort Kommune bezeichnete jedenfalls nicht die Stadt. In der Folge nährten sich 30 Prozent der Westberliner aus dem Sozialtopf oder pflegten als Staatsdiener ein oft geruhsames Leben.

    Die fünfte Welle des Bevölkerungsaustausches setzte nach dem Mauerfall ein. Geschätzt zwei Millionen verließen den Osten wie den Westen auf der Suche nach einem besseren Leben – in Westdeutschland oder in ausländischen Sehnsuchtsorten. Die Bevölkerungszahl sank trotz Zuzugs zum Beispiel aus der ehemaligen Sowjetunion. Wieder eine Schwächung des klassischen Stadtbürgertums.

    Wegzug ins Umland
    Schließlich muss, sechstens, der Wegzug von oft gut verdienenden Familien ins Brandenburger Umland als Aderlass beklagt werden. Ihre Kompetenz, ihr Engagement kommt seither dem Speckgürtel zugute, den Schulen, den historischen Gebäuden, Museen. Auch jetzt ziehen vermehrt junge Familien weg – nach ein paar wilden Jahren suchen Eltern geordnete Verhältnisse. Der Chefredakteur der Zeitschrift Zitty beschrieb jüngst, warum er mit Familie nach München zieht. Er will eine funktionierende Stadt: Schule, Polizei, Infrastruktur…

    Potsdam profitierte enorm vom Zug ins Umland: Es genießt das Engagement neuer Bürgerschaftlichkeit, einschließlich großzügiger Sponsoren. Berlin verweigert sich dem regelrecht und pflegt stattdessen eine Art proletarischen Hochmut. Will ein reicher Bürger der Stadt Millionen schenken, zum Beispiel für ein historisches Gebäude, weist ihm die Politik hochnäsig die Tür.

    Andere konnten sich mit Hartnäckigkeit durchsetzen, wie der Hamburger Wilhelm von Boddien, der Berlin auf den Weg positiven Geschichtsverarbeitung drängte. Wäre ohne sein Engagement und das seiner Verbündeten der Wiederaufbau des Schlosses möglich gewesen und mit diesem ein Kulturzuwachs, wie er Humboldt Forum denkbar erscheint? Gäbe es in der Folge die Chance zur Neufindung der Alten Mitte? Wohl kaum.

    Kein Berliner Stil
    Dort zeigt sich das Desinteresse der Berliner Mehrheit besonders krass. In Bürgerdialogen reden Anwohner über ihr Grün und Parkplätze. Wer dort Historisches ins Spiel bringt, eine kleinteilige Bebauung im früherem Straßenraster, mit Wohnhäusern vorschlägt, wer die namenlose, vage als Rathausforum bezeichnete Ödnis beleben will, der bekommt schnell das Etikett „Fachwerkfraktion“ angeklebt. Das Anliegen wird ins Lächerliche gezogen.

    Als einmal für kurze Zeit ein Berliner Bürgertums erblühte, in der Gründerzeit nach der Reichseinigung 1871, fand sich mangels Lokalpatriotismus kein Berliner Stil. Bauherren verwirklichten sich selbst in wilden eklektizistischen Experimenten: Neo-Romanik, Neo-Gotik, Neo-Renaissance, Neo-Barock.

    Man fing an, Kunst und Kultur aus aller Welt anzusammeln und in Riesen-Museen auszustellen, man strebte danach, dem neuen Bild von nationaler Größe Ausdruck zu verleihen. Um die Stadt ging es kaum – immerhin, Bürger betätigten sich als Mäzene, taten der Allgemeinheit Gutes.

    Partizipation = Blockade
    Wie aber kann die Stadt ihre Zukunft gestalten statt sie bloß kommen zu lassen? Die Studie „Berlin 2030“ des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung vom November 2015 stellt günstige Faktoren ungünstigen gegenüber: Hemmnisse sieht man in der ideologischen Aufladung vieler Debatten über die städtebauliche Entwicklung. Es mangele an städtebaulichen Ensembles – geschlossenen Straßenfluchten und attraktiven Plätzen.

    Bei einem Großteil der stadtbildprägenden Gründerzeitbauten sei die historische Fassadengestaltung zerstört – anders als in Städten wie Paris, Wien oder Leipzig. Andererseits gebe es Freiräume und Freiheiten, die kreative Lösungen befördern. Im Vorwort wird gewarnt: „Partizipation in Berlin darf nicht länger ein Synonym für Blockade sein.“

    Etwas mehr als die Hälfte der heutigen Einwohner ist nicht hier geboren. Auch deshalb appellieren die Autoren der Studie an alle, „die großen und kleinen Unternehmen sowie die Forscher und Repräsentanten aus Kunst und Kultur, die Alteingesessenen, die Neu-Berliner und die Berlin-Liebhaber, am Berlin der Zukunft mitzubauen.“

    #Berlin #Gentrifizierung #Widerstand #Politik



  • WID.world : nouvelles données sur les #inégalités et l’effondrement des bas #revenus | Le blog de Thomas Piketty
    http://piketty.blog.lemonde.fr/2017/01/11/wid-world-une-nouvelle-base-de-donnees-mondiales-sur-les-inegal

    Cruelle ironie du sort, au moment même où nous lançons ce nouvel outil de transparence démocratique et d’analyse des inégalités, Tony #Atkinson vient de disparaître le 1er janvier à l’âge de 72 ans, après une lutte contre une longue maladie. Cofondateur et codirecteur de #WID.world, il avait participé jusqu’à ces dernières semaines à la mise au point de ce nouvel outil. Son travail et son #éthique vont continuer de vivre à travers lui.


  • Combien coûte un service tiers gratuit ? | BrainCracking - HTML5, Performances Web et les technos du Web, par Jean-pierre VINCENT
    http://braincracking.org/2016/12/21/combien-coute-un-service-tiers-gratuit

    Analyse détaillée des pertes de performances (et parfois d’audience) liées à l’intégration de scripts tiers dans les pages web d’un site (Analytics, tracking, boutons de partage, réseaux sociaux, Tests A/B, widgets divers : cartes, commentaires, chats…).
    Propose des outils et méthodes pour minimiser leur impact.
    La carte des chaînes d’appels de prestataires externes du site du Monde est édifiante... :

    #performance #scripts_tiers #javascript #analytics #widget

    • Je vais utiliser l’outil #RequestMap pour visualiser un affichage sur la Une du journal #Le_Monde. [... Les] (cercles) appartiennent aux tiers de 1er niveau et correspondent à une quinzaine de sociétés. On y trouve 3 solutions d’analytics, une solution de test A/B (Kameleoon), un tracking de réseau social (Po.st), FaceBook, un moteur de recommandation d’articles (Outbrain ici), Cedexis … [...] Puis arrive le moment où l’on contacte la régie pub (SmartAd en l’occurrence, à droite sur le graphe précédent, à gauche sur le graphe suivant).

      Une fois sur son domaine, la régie appelle une dizaine de sociétés, principalement des tags de tracking, puis 2 systèmes de mise aux enchères de mon profil utilisateur. C’est la société de RTB CasaleMedia qui prend le relai, et qui contacte une vingtaine d’autres sociétés. Cela c’est côté client, on ne sait pas combien d’enchérisseur ont accès au profil utilisateur côté serveur. L’enchère a été gagnée par une société de retargeting (Turn) qui elle-même contacte une vingtaine de sociétés.
      En tout c’est 50 sociétés qui ont été contactées côté client. Si le script du 1er tiers inclus de manière classique, ces 50 sociétés avec qui vous n’avez aucun contrat ont tout pouvoir sur la page.

      #publicité #vie_privée #surveillance #sécurité


  • Wanda-Kallenbach-Straße
    https://berlin.kauperts.de/Strassen/Wanda-Kallenbach-Strasse-10243-Berlin
    Hier wurde mal ein Mensch geehrt, nicht eine „historische Persönlichkeit“. Gut so.

    Name seit 16.11.2006

    Kallenbach, Wanda, * 13.6.1902 Krenzoly, Kr. Oberniki, † 18.8.1944 Berlin, Packerin, Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime.
    Die Arbeiterin aus Friedrichshain wurde einer Äußerung gegen den Krieg wegen in Plötzensee hingerichtet.
    Sie liegt auf dem Gelände der Anschutz Entertainment Group nahe dem Ostbahnhof.

    Wanda Kallenbach
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wanda_Kallenbach

    Wanda Kallenbach verließ als junges Mädchen ihr Heimatdorf nahe Posen Richtung Berlin, um dort als Hausgehilfin zu arbeiten. Später war sie auch als Packerin beschäftigt, zeitweise Mitglied einer Gewerkschaft. Sie heiratete einen Arbeiter, gebar 1933 eine Tochter und wohnte fortan in Berlin-Friedrichshain.

    1943, im vierten Kriegssommer des Zweiten Weltkrieges, besuchte Wanda Kallenbach ihre Schwester im ostpreußischen Jankendorf, Kreis Preußisch Holland, um sich dort von den Strapazen der immer häufigeren Bombenangriffe auf die deutsche Hauptstadt zu erholen. Gegenüber Dorfbewohnern äußerte sie sich kritisch zum Krieg und beklagte sich über den Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, Reichsmarschall Hermann Göring. Zudem sprach sie sich für Streiks und Waffenniederlegungen als Mittel der Kriegsverkürzung aus.

    Am 20. Januar 1944, mehrere Monate nach ihrer Rückkehr nach Berlin, wurde sie aufgrund einer Denunziation von der Gestapo verhaftet. Am 20. April, zum Geburtstag von Adolf Hitler, wurde gegen Wanda Kallenbach Anklage wegen „Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ erhoben. Der Fall wurde vor dem Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler verhandelt. Anklagevertreter war Staatsanwalt Karl Bruchhaus, der nach Ende des Krieges unbehelligt in die bundesdeutsche Justiz übernommen wurde. Wanda Kallenbach wurde nach kurzem Prozess für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Wanda Kallenbach wurde am 18. August 1944 in Plötzensee hingerichtet.

    #Berlin #Friedrichshain #Wanda-Kallenbach-Straße #Geschichte #Nazis #Widerstand


  • Stauffenbergstraße 13 - eine Katastrophe der Filmgeschichte

    Filmpanne im Bendlerblock: Warum Tom Cruise nachdrehen muss - Kino - Kultur - Tagesspiegel
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/filmpanne-im-bendlerblock-warum-tom-cruise-nachdrehen-muss/1061174.html


    Tragische geschichtliche Ereignisse wiederholen sich oft als Farce, sagte schon ein bekannter Autor. Dreiundsechzig Jahre nach dem Attentat professioneller Mörder, die sich tragisch als Amateurverschwörer gegen ihre Mitmörder versucht hatten, war es soweit: Das Schauspiel wurde als Farce gegeben, als Film inszeniert, nur diesmal klappte das Filmen der Hinrichtung nicht. Oder doch, denn wie bei allen Katastrophen gibt es unterschiedliche Auskünfte von unterschiedlichen Beteiligten. Vielleicht klappten ja die Hinrichtungsaufnahmen und nur alle anderen nicht, die wahre Geschichte wird wie oft erst in der Rückschau sichtbar werden.

    ... Nachdreh, der durch schwere Beschädigungen des abgedrehten Materials notwendig wurde, ein Ärgernis, eine Blamage, eine mittlere Katastrophe – für die in den Händen von Tom Cruise liegende Produktionsfirma United Artists, für den deutschen Koproduktionspartner „8. Babelsberg Film GmbH“ und vor allem für das betroffene Kopierwerk. Weshalb sich gestern lange keinerlei zutreffende offizielle Bestätigung für die Meldung finden wollte, die der Tagesspiegel in seiner Berliner Auflage verbreitet hatte. Lediglich die von der Produktion beauftragte deutsche Presseagentur ließ sich mit der Falschmeldung vernehmen, die Panne sei auf einen „Materialfehler“ offenbar beim Rohfilm zurückzuführen – ein Problem, das „immer wieder mal“ auftrete.

    Tatsächlich war ein äußerst seltener Fall eingetreten, den in der Branche wohl niemand auch seinem ärgsten Konkurrenten wünscht. Bei der Entwicklung des Filmmaterials gab es ein schwerwiegendes technisches Problem – offenbar die Behandlung mit einer falschen Flüssigkeit –, mit der Folge, dass nun die meisten Szenen im Bendlerblock neu gedreht werden müssen. Besonders peinlich: Das Missgeschick immerhin als Auftragnehmer einer weltweit beachteten 80-Millionen-Dollar-Produktion passierte ausgerechnet im Kopierwerk des Film- und TV-Dienstleisters Arri München, einem der zwei Postproduction-Unternehmen, die den deutschen Markt dominieren. Dem Vernehmen nach hat Arri den Schaden zugegeben – gegenüber der Produktion. Bei solch schweren Zwischenfällen in der Branche rücken schon mal die Firmenchefs persönlich mit mehreren Kisten Champagner bei ihren Groß-Auftraggebern an – und müssen dennoch befürchten, jahrelang ganz oben auf der schwarzen Liste zu stehen.

    Die Firma ARRI (Arnold und Richter, München) würde drei Jahre später die Herstellung analoger Filmkameras beenden und hatte wohl bereits mit der analogen Technik abgeschlossen. Dann passiert so etwas.

    Vielleicht wäre Mister Cruise Produktionsfirma ja besser mit der Berliner Kopieranstalt Andec gefahren, die entwickeln bis heute alle Schmal- und Kinofilmformate, abgesehen von Tarantinos 65/70mm Spezialanfertigung.

    ANDEC SERVICES ::: LEISTUNGEN ::: die FILMPROFIS
    http://www.andecfilm.de/en/e_start_new.html

    Hasenheide 9 — D-10967 Berlin — service@andecfilm.de — phone + 49 (0)30 691 7036 — fax +49 (0) 30 693 0321

    –---------------------------
    Nachsatz

    Heute kann man über das Mißgeschick als Farce lachen, der Vergleich von Tom Cruise faschistoider Sektenbande mit den alten Nazis zeigt zu viele absurde Ähnlichkeiten, um nicht wenigstens ein ironisches Zucken der Mundwinkel auszulösen. Der Schauspieler fügt als Leinwandinkarnation des adligen Antinazis der Realsatire den I-Punkt hinzu, dümmer geht es eigentlich kaum noch.

    Nicht zum Lachen sind die historischen Ereignisse von 1944, weniger als ein Jahr von dem endgültigen Sieg über Nazideutschland. Bei den wirklichen Hinrichtungen zeigten die Nationalsozialisten im Detail die Verrohung, welche im industriellen Massenmord von Auschwitz ihren bekanntesten Audruck fand. Gefilmt wurde nicht in der Stauffenbergstraße sondern im Gefängnis Plötzensee. Diese Aufnahmen sind uns heute noch durch Zeitzeugen bekannt.

    Karl von Aretin: Gefilmte Hinrichtungen
    https://www.youtube.com/watch?v=HCvhiZRFMQ8

    An der Richtstatte kein Hitler-Gruß
    SPIEGEL-Reporter Hans Halter über die Hinrichtungenwahrend der NS-Zeit im Zuchthaus Berlin-Plötzensee
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351220.html

    #Deutschland #Widerstand #Nazis #Film #Hollywood


    • Pour moi, tout ça (le comptage notamment) devrait être déjà généré côté serveur. Là chaque visiteur va faire des appels à des trucs externes et donc être tracé. Ça fait plus de requêtes et moins de vie privée. Si c’est fait côté site, ça fait une seule requête par rezosocio, mise en cache en plus, et aucun traçage des visiteurs.



  • Der „Anwalt des Proletariats“ hat seine Straße behalten - das Landgericht Berlin liegt heute in der Littenstraße in Mitte.

    “Unerhörte Methoden gegen Dr. Litten

    In dem Prozeß gegen mehrere Kommunisten und Nationalsozialisten wegen des Überfalls auf die Kolonie Felseneck in Berlin amtiert Rechtsanwalt Dr. Litten, ein auch bei verschiedenen unserer Genossen bekannter Verteidiger, für die kommunistischen Angeklagten. Das Gericht schloß ihn auf die Dauer des Prozesses von den Verhandlungen aus. Angeblich habe Litten die Angeklagten ‚verhetzt’, politische Sensationsanträge gestellt usw. Selbstverständlich ist daran kein wahres Wort. Litten hat die Angeklagten so verteidigt, wie er es für seine Pflicht als Anwalt hielt. Daß dies den reaktionären Richtern nicht passte, ist möglich, aber deshalb haben sie noch lange kein Recht zu einer derartigen unerhörten Maßnahme, die sich auf keinerlei Gesetze stützen kann. Gegen den Beschluß ist Beschwerde eingelegt worden.“

    „Der Syndikalist“, Nr. 37/1932.

    http://www.voutsadakis.com/GALLERY/ALMANAC/Year2012/Jun2012/06192012/2012jun19.html

    The treatment Litten suffered was later described to his mother by an eyewitness. Very early on, he was beaten so badly, the Nazis refused to even let his fellow prisoners see him. He was beaten, tortured and forced into hard labor. He attempted suicide in 1933 in an attempt to avoid endangering his former clients, but he was revived by the Nazis so they could interrogate him further. Litten’s suicide attempt came at Spandau Prison, after he buckled under torture administered to extract information about the Felsenecke trial. After revealing some information, he was immediately accused in the press as an accomplice to the murder of an SA man. Litten then wrote a letter to the Gestapo, saying that evidence gained in such a manner was not true and that he recanted. Knowing what awaited him, he then attempted to take his life.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Litten

    Über seinen Sozietätskollegen Barbasch hatte Litten auch Kontakt zur Roten Hilfe – einer von Wilhelm Pieck und Clara Zetkin gegründeten Selbsthilfeorganisation, die insbesondere in Zeiten von Streik und Arbeitslosigkeit notleidende Arbeiterfamilien unterstützte. Daneben organisierte die Rote Hilfe auch Rechtsschutz und Verteidigung für Arbeiter, die wegen ihrer politischen Aktivitäten oder Überzeugungen angeklagt wurden. Bis Mitte 1929 hatte die Rote Hilfe knapp 16.000 inhaftierten Arbeitern juristischen Beistand und in weiteren 27.000 Fällen Rechtsschutz gewährt. Auch Hans Litten übernahm Mandate der Roten Hilfe.

    Klemkestraße, Berlin-Reinickendorf
    http://www.berliner-stadtplan.com/poi/4083_Klemkestrasse-Berlin-Reinickendorf

    Die Straße wurde 1947 nach dem Arbeiter Fritz Klemke benannt. Fritz Klemke wurde am 24. August 1902 in Berlin geboren. Am 19. Januar 1932 wurde er in seiner Laube Opfer eines Überfalls von SA-Mitgliedern. Der Mord wurde nicht geahndet.
    Der östliche Teil der Klemkestraße liegt im Bezirk Pankow.

    Das Chaos der Erinnerung - von Dieter Huhn
    http://www.berlinstreet.de/6487

    Kolonie Felseneck am Büchsenweg. Bei der Reichstagswahl im September 1930 wählten 400 Bewohner SPD, 200 KPD, 100 NSDAP, nur 50 sogenannte »Bürgerliche«; die Gegend, heißt es, war hart umkämpft: Prügeleien, blutige Köpfe.

    Mitte Januar 1932 überfiel SA die Kolonie, am Ende war Fritz Klemke, Kommunist seit vier Tagen (erzählt man), tot, »eine rohe bestialische Tat«, sagte der Staatsanwalt beim Prozess im Dezember 1932, das Gericht konnte trotzdem nur einen Fahrrad-Diebstahl erkennen und stellte das Verfahren ein, Täter angeblich nicht zu ermitteln; als Nebenkläger gegen die SA war Rechtsanwalt Hans Litten aufgetreten, ein junger Mann, noch keine 30 Jahre, er hatte schon Hitler in die Enge getrieben, das zahlte der ihm heim, sobald er Reichskanzler war, fünf Jahre schleppte er den Aufrechten durch die KZs, ermordet am 4. oder 5. Januar 1938 in Dachau, hinten auf dem Pankower Friedhof III an der Leonhard-Frank-Straße ist eine Grabstätte, ein Denkmal, ein Erinnerungs-Stein (lese ich, gefunden habe ich ihn bisher nicht).
    Als ich Richter war, in einem anderen Leben, und der Justiz demokratisch Gutes zutraute, sagte mir einer seiner Söhne, alt wie ich, Ministerial-Beamter im niedersächsischen Justiz-Ministerium: Wie kannst du der deutschen Justiz Gutes zutrauen? Wie konnte ich! An den Illusionen halten wir uns aufrecht, nicht an den Wahrheiten.

    Schulze-Wechsungen, Werner
    http://www.stiftung-bg.de/kz-oranienburg/index.php?id=460

    Im Februar 1931 wechselte Schulze-Wechsungen zum Sturmbann Berlin-Reinickendorf XI. und wurde Sturmbannführer in Wedding/Reinickendorf III/4. Als Major der Standarte 208 war er maßgeblich an dem Überfall auf die Kolonie „Felseneck“ vom 15. Februar 1932 in Berlin-Reinickendorf beteiligt und wurde daraufhin unter Anklage des Totschlages dreieinhalb Monate in Untersuchungshaft genommen.

    Lage der ehemaligen Kolonie Felseneck
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stra%C3%9Fen_und_Pl%C3%A4tze_in_Berlin-Reinickendorf

    Büchsenweg, angelegt ab 4. Aug. 1930 Die Straße liegt zwischen Emmentaler und Klemkestraße. Sie wurde nach Bebauungsplan als Straße 23 angelegt, am 1. April 1962 wurde die Straße 384 und am 1. April 1963 noch die Verlängerung einbezogen.

    Litten und Hitler – der Edenpalast-Prozess vor dem Landgericht Berlin
    http://anwaltsblatt.anwaltverein.de/tl_files/anwaltsblatt/files/news/magazin/12.13_Mauntel.pdf

    Der 8. Mai 1931 wurde für Hans Litten zum Schicksalstag. Als Nebenklägervertreter befragte der gerade 27 Jahre alte Rechtsanwalt stundenlang vor dem Landgericht Berlin den Zeugen Adolf Hitler. Von der Verteidigung zur Entlastung als Zeuge aufgeboten, zeigte Hans Litten am Ende die wahren Ziele Adolf Hitlers und der NSDAP auf. Den von vielen Zeitungen gefeierten Achtungserfolg musste Hans Litten bitter bezahlen. In der Nacht des Reichstagsbrandes vom 27. auf den 28. Februar 1933 wurde er verhaftet.

    #Straßennamen #Berlin #Geschichte #Widerstand


  • 7月5日のツイート
    http://twilog.org/ChikuwaQ/date-140705

    Des mots de tête qui laissent entendre plus qu’ils ne disent - Nonfiction.fr le portail des livres et des idées www.nonfiction.fr/article-7132-d… posted at 19:30:06

    RT @EmrgencyKittens: Your bed feels SO good in the morning! pic.twitter.com/01ADAZeIsg posted at 19:11:51

    “Hobo Blues” by Jeff Beck with Earl Green : tmblr.co/ZWXySyo3wpMx posted at 19:00:08

    RT @mabeldeuruguay: Belleza gatuna. pic.twitter.com/lHL72SSz3v posted at 18:41:24

    Happy birthday, Sailor Moon! | The Japan Times www.japantimes.co.jp/culture/2014/0… posted at 17:33:56

    Kuniyoshi -> RT @EstherHawdon: .@ChikuwaQ 猫がいっぱい~~ pic.twitter.com/e4cPyX21vK posted at 16:45:45

    RT @YouSignorg: Keep Kendall Jones out of South Africa! Sign here: www.yousign.org/en/kendall-jones #widlife #trophyhunting #savewildlife pic.twitter.com/2mikTSjzAp (...)


  • Chris #Hedges Interviews Noam #Chomsky (1/3)

    Pulitzer Prize-winning journalist Chris Hedges speaks with Professor Noam Chomsky about working-class resistance during the Industrial Revolution, propaganda, and the historical role played by intellectuals in times of war - June 17, 14

    https://www.youtube.com/watch?v=bwRf5HHm2Mo

    – chez TRNN avec une trace écrite: http://therealnews.com/t2/index.php?option=com_content&task=view&id=31&Itemid=74&jumival=12006

    [...]

    [I]n the early 19th century, the business world recognized, both in England and the United States, that sufficient freedom had been won so that they could no longer control people just by violence. They had to turn to new means of control. The obvious ones were control of opinions and attitudes. That’s the origins of the massive public relations industry, which is explicitly dedicated to controlling minds and attitudes.

    The first—it partly was government. The first government commission was the British Ministry of Information. This is long before Orwell—he didn’t have to invent it. So the Ministry of Information had as its goal to control the minds of the people of the world, but particularly the minds of American intellectuals, for a very good reason: they knew that if they can delude American intellectuals into supporting British policy, they could be very effective in imposing that on the population of the United States. The British, of course, were desperate to get the Americans into the war with a pacifist population. Woodrow Wilson won the 1916 election with the slogan “Peace without Victory”. And they had to drive a pacifist population into a population that bitterly hated all things German, wanted to tear the Germans apart. The Boston Symphony Orchestra couldn’t play Beethoven. You know. And they succeeded.

    Wilson set up a counterpart to the Ministry of Information called the Committee on Public Information. You know, again, you can guess what it was. And they’ve at least felt, probably correctly, that they had succeeded in carrying out this massive change of opinion on the part of the population and driving the pacifist population into, you know, warmongering fanatics.

    And the people on the commission learned a lesson. One of them was Edward Bernays, who went on to found—the main guru of the public relations industry. Another one was Walter Lippman, who was the leading progressive intellectual of the 20th century. And they both drew the same lessons, and said so.

    The lessons were that we have what Lippmann called a “new art” in democracy, “manufacturing consent”. That’s where Ed Herman and I took the phrase from. For Bernays it was “engineering of consent”. The conception was that the intelligent minority, who of course is us, have to make sure that we can run the affairs of public affairs, affairs of state, the economy, and so on. We’re the only ones capable of doing it, of course. And we have to be—I’m quoting—"free of the trampling and the roar of the bewildered herd", the “ignorant and meddlesome outsiders”—the general public. They have a role. Their role is to be “spectators”, not participants. And every couple of years they’re permitted to choose among one of the “responsible men”, us.

    And the John Dewey circle took the same view. Dewey changed his mind a couple of years later, to his credit, but at that time, Dewey and his circle were writing that—speaking of the First World War, that this was the first war in history that was not organized and manipulated by the military and the political figures and so on, but rather it was carefully planned by rational calculation of “the intelligent men of the community”, namely us, and we thought it through carefully and decided that this is the reasonable thing to do, for all kind of benevolent reasons.

    And they were very proud of themselves.

    There were people who disagreed. Like, Randolph Bourne disagreed. He was kicked out. He couldn’t write in the Deweyite journals. He wasn’t killed, you know, but he was just excluded.

    And if you take a look around the world, it was pretty much the same. The intellectuals on all sides were passionately dedicated to the national cause—all sides, Germans, British, everywhere.

    There were a few, a fringe of dissenters, like Bertrand Russell, who was in jail; Karl Liebknecht and Rosa Luxemburg, in jail; Randolph Bourne, marginalized; Eugene Debs, in jail for daring to question the magnificence of the war. In fact, Wilson hated him with such passion that when he finally declared an amnesty, Debs was left out, you know, had to wait for Warren Harding to release him. And he was the leading labor figure in the country. He was a candidate for president, Socialist Party, and so on.

    But the lesson that came out is we believe you can and of course ought to control the public, and if we can’t do it by force, we’ll do it by manufacturing consent, by engineering of consent. Out of that comes the huge public relations industry, massive industry dedicated to this.

    Incidentally, it’s also dedicated to undermining markets, a fact that’s rarely noticed but is quite obvious. Business hates markets. They don’t want to—and you can see it very clearly. Markets, if you take an economics course, are based on rational, informed consumers making rational choices. Turn on the television set and look at the first ad you see. It’s trying to create uninformed consumers making irrational choices. That’s the whole point of the huge advertising industry. But also to try to control and manipulate thought. And it takes various forms in different institutions. The media do it one way, the academic institutions do it another way, and the educational system is a crucial part of it.

    This is not a new observation. There’s actually an interesting essay by—Orwell’s, which is not very well known because it wasn’t published. It’s the introduction to Animal Farm. In the introduction, he addresses himself to the people of England and he says, you shouldn’t feel too self-righteous reading this satire of the totalitarian enemy, because in free England, ideas can be suppressed without the use of force. And he doesn’t say much about it. He actually has two sentences. He says one reason is the press “is owned by wealthy men” who have every reason not to want certain ideas to be expressed.

    But the second reason, and the more important one in my view, is a good education, so that if you’ve gone to all the good schools, you know, Oxford, Cambridge, and so on, you have instilled into you the understanding that there are certain things it wouldn’t do to say—and I don’t think he went far enough: wouldn’t do to think. And that’s very broad among the educated classes. That’s why overwhelmingly they tend to support state power and state violence, and maybe with some qualifications, like, say, Obama is regarded as a critic of the invasion of Iraq. Why? Because he thought it was a strategic blunder. That puts him on the same moral level as some Nazi general who thought that the second front was a strategic blunder—you should knock off England first. That’s called criticism.

    [...]

    #industrialisation
    #media #histoire #Geschichte #institution
    #USA #England #Angleterre
    #Grande-Bretagne #Great_Britain #Großbritannien
    #Allemagne #Germany #Deutschland

    #contrôle #Kontrolle
    #résistance #Widerstand
    #working_class #ouvriers #Arbeiterklasse
    #éducation #Bildung
    #intellectuels

    • Chris Hedges Interviews Noam Chomsky (2/3)

      http://therealnews.com/t2/index.php?option=com_content&task=view&id=31&Itemid=74&jumival=12016

      [...]

      Like a lot of people, I’ve written a lot about media and intellectual propaganda, but there’s another question which isn’t studied much: how effective is it? And that’s—when you brought up the polls, it’s a striking illustration. The propaganda is—you can see from the poll results that the propaganda has only limited effectiveness. I mean, it can drive a population into terror and fear and war hysteria, like before the Iraq invasion or 1917 and so on, but over time, public attitudes remain quite different. In fact, studies even of what’s called the right-wing, you know, people who say, get the government off my back, that kind of sector, they turn out to be kind of social democratic. They want more spending on health, more spending on education, more spending on, say, women with dependent children, but not welfare, no spending on welfare, because Reagan, who was an extreme racist, succeeded in demonizing the notion of welfare. So in people’s minds welfare means a rich black woman driving in her limousine to the welfare office to steal your money. Well, nobody wants that. But they want what welfare does.

      Foreign aid is an interesting case. There’s an enormous propaganda against foreign aid, ’cause we’re giving everything to the undeserving people out there. You take a look at public attitudes. A lot of opposition to foreign aid. Very high. On the other hand, when you ask people, how much do we give in foreign aid? Way beyond what we give. When you ask what we should give in foreign aid, far above what we give.

      And this runs across the board. Take, say taxes. There’ve been studies of attitudes towards taxes for 40 years. Overwhelmingly the population says taxes are much too low for the rich and the corporate sector. You’ve got to raise it. What happens? Well, the opposite.

      [...]

      #propagande
      #effectiveness #efficacité #Effizienz

    • Chris Hedges Interviews Noam Chomsky (3/3)

      http://therealnews.com/t2/index.php?option=com_content&task=view&id=31&Itemid=74&jumival=12018

      #ows #occupy
      #cooperatives

      [...]

      Well, I think it’s a little misleading to call it a movement. Occupy was a tactic, in fact a brilliant tactic. I mean, if I’d been asked a couple of months earlier whether they should take over public places, I would have said it’s crazy. But it worked extremely well, and it lit a spark which went all over the place. Hundreds and hundreds of places in the country, there were Occupy events. It was all over the world. I mean, I gave talks in Sydney, Australia, to the Occupy movement there. But it was a tactic, a very effective tactic. Changed public discourse, not policy. It brought issues to the forefront.I think my own feeling is its most important contribution was just to break through the atomization of the society. I mean, it’s a very atomized society. There’s all sorts of efforts to separate people from one another, as if the ideal social unit is, you know, you and your TV set.

      HEDGES: You know, Hannah Arendt raises atomization as one of the key components of totalitarianism.

      CHOMSKY: Exactly. And the Occupy actions broke that down for a large part of the population. People could recognize that we can get together and do things for ourselves, we can have a common kitchen, we can have a place for public discourse, we can form our ideas and do something. Now, that’s an important attack on the core of the means by which the public is controlled. So you’re not just an individual trying to maximize your consumption, but there are other concerns in life, and you can do something about them. If those attitudes and associations and bonds can be sustained and move in other directions, that’ll be important.

      But going back to Occupy, it’s a tactic. Tactics have a kind of a half-life. You can’t keep doing them, and certainly you can’t keep occupying public places for very long. And was very successful, but it was not in itself a movement. The question is: what happens to the people who were involved in it? Do they go on and develop, do they move into communities, pick up community issues? Do they organize?

      Take, say, this business of, say, worker-owned industry. Right here in Massachusetts, not far from here, there was something similar. One of the multinationals decided to close down a fairly profitable small plant, which was producing aerospace equipment. High-skilled workers and so on, but it wasn’t profitable enough, so they were going to close it down. The union wanted to buy it. Company refused—usual class reasons, I think. If the Occupy efforts had been available at the time, they could have provided the public support for it.

      [...]

      Well, you know, a reconstituted auto industry could have turned in that direction under worker and community control. I don’t think these things are out of sight. And, incidentally, they even have so-called conservative support, because they’re within a broader what’s called capitalist framework (it’s not really capitalist). And those are directions that should be pressed.

      Right now, for example, the Steelworkers union is trying to establish some kind of relations with Mondragon, the huge worker-owned conglomerate in the Basque country in Spain, which is very successful, in fact, and includes industry, manufacturing, banks, hospitals, living quarters. It’s very broad. It’s not impossible that that can be brought here, and it’s potentially radical. It’s creating the basis for quite a different society.

      [...]

      #militarisation
      #Militarisierung #Aufrüstung

      #war_crime #Iraq
      #crime_de_guerre
      #Kriegsverbrechen
      #Nürnberg

      [...]

      Go back to the #Nuremberg judgments. I’m not telling you anything you don’t know, but in Nuremberg aggression was defined as “the supreme international crime,” differing from other war crimes in that it includes, it encompasses all of the evil that follows. Well, the U.S.-British invasion of Iraq is a textbook case of aggression. By the standards of Nuremberg, they’d all be hanged. And one of the things it did, one of the crimes was to ignite a Sunni-Shiite conflict which hadn’t been going on. I mean, there was, you know, various kinds of tensions, but Iraqis didn’t believe there could ever be a conflict. They were intermarried, they lived in the same places, and so on. But the invasion set it off. Took off on its own. By now it’s inflaming the whole region. Now we’re at the point where Sunni jihadi forces are actually marching on Baghdad.

      HEDGES: And the Iraqi army is collapsing.

      CHOMSKY: The Iraqi army’s just giving away their arms. There obviously is a lot of collaboration going on.And all of this is a U.S. crime if we believe in the validity of the judgments against the Nazis.

      And it’s kind of interesting. Robert Jackson, the chief prosecutor, a U.S. justice, at the tribunal, addressed the tribunal, and he pointed out, as he put it, that we’re giving these defendants a “poisoned chalice”, and if we ever sip from it, we have to be treated the same way, or else the whole thing is a farce and we should recognize this as just victor’s justice.

      [...]


  • Wireless Dead Drop = #WiDrop
    http://widrop.bzhack.org/main

    Les dead drops, ou clés USB insérées dans les murs de la ville, furent présentées à des fin de concept fin 2010 ; l’écho reçu pour ce ``partage anonyme hors ligne’’ fut considérable. Nous rappelons dans ce papier cette proposition et sa philosophie, puis présentons son extension pragmatique, dénommée widrop. Un widrop est un dispositif simple qui allie un espace de stockage sans droits d’accès particuliers, avec une connectivité Wi-Fi pour y accéder de façon pratique avec un terminal mobile (smartphone ou laptop par exemple). Nous discutons des différents challenges portés par un tel dispositif, ainsi que des possibilités promises par un tel déploiement de dépôts anonymes et hors ligne de données dans l’espace urbain.

    #Partage #RaspberryPi #WiFi #Rennes



  • 100,080 Ways To Increase Blog Traffic | Intelligent Bacon
    http://intelligentbacon.blogspot.fr/2012/08/100080-ways-to-increase-blog-traffic.html

    Make sure your blog is free of ANNOYING POP-UPS, especially the “pop-up dominantion” variety and anything that overlays and covers the screen. You want your blog seen. You don’t want people bouncing the second they see that stupid overlay!

    Pas de panique sur le titre ; je cite, ici LE point important.

    #pop_ups #widget #pollutions #web #blogs


  • GAget – Google Analytics Widget for Mac OS X Dashboard | Pixel perfect web design by Zoltan Hosszu
    http://www.zoltanhosszu.com/gaget

    #Google_Analytics on your #Dashboard

    Either you’re a web developer, blogger or anyone with a website, you probably use Google Analytics to collect and process crucial data about your site’s visitors.

    If you’re using OS X you will love this dashboard widget!

    #mac #logiciel #widget