Comment préparer sa cartière politique et finir chancelier d’Allemagne. Un guide réaliste à peine cynique. J’ai vu pas mal de jeunes gens suivre l’itinéraire. C’est une affaire qui marche. On ne perd que rarement.
16.8.2026 von Matthias Hochstätter - Sie wollen Bundeskanzler werden? Oder wenigstens in den Bundestag kommen? Dann müssen Sie lediglich die politische Ochsentour bewältigen, und schon winken üppige Diäten und bis zu 30 Wochen Urlaub im Jahr. Aber Vorsicht: Der Weg ist meist lang und beschwerlich. Und nicht jeder ist für den Typus des Politikers gemacht. Wer denkt, dass Politiker faul seien, hat recht und irrt zugleich. Denn die Politik fördert eine ganz eigene Art Mensch zutage.
Der Homo politicus benötigt weniger Sachverstand und gefestigte Überzeugungen, sondern vielmehr Wendigkeit, Cleverness, Zeit, Geduld und vor allem: ein gut trainiertes Sitzfleisch. Letzteres ist wohl das Wichtigste, denn schon als politischer Lehrling werden sie die ersten Jahre viele Abende in schier endlosen Sitzungen und Versammlungen verbringen. Sollten Sie eher zu einem umtriebigen bis lebhaften Wesen neigen, dann ist die Politik wohl der falsche Karriereweg für Sie. Ansonsten: Probieren Sie es aus, dann könnten Sie innerhalb von 20 Jahren das Bundeskanzleramt Ihr Eigen nennen. Los geht’s!
Die richtige Partei für eine erfolgreiche Ochsentour
Rein statistisch gesehen ist es auf den ersten Blick am einfachsten, in der AfD Karriere zu machen. Die AfD hat bundesweit nur 75.000 Mitglieder, hat aber in den Parlamenten der Länder, des Bundes und der EU derzeit 480 Mandate. Um ein Mandat rangeln sich also theoretisch nur 156 Mitglieder. In der CDU hingegen kommen auf über 350.000 Mitglieder 740 Mandate – hier sind es also pro Mandat 473 Mitglieder. Bei der SPD sind es 611. Doch die Zahlen trügen.
Denn in einer jungen Partei wie der AfD gibt es noch nicht so viele „Karteileichen“ wie etwa bei CDU und SPD. Die inaktiven Mitglieder, die ihre Partei lediglich ideell unterstützen, haben bei den beiden alten Volksparteien einen höheren Anteil. Zudem liegt das Durchschnittsalter bei CDU und SPD laut einer Studie der FU Berlin bei über 60 Jahren. Die meisten Mitglieder können Ihnen also hier nicht mehr ernsthaft in die Quere kommen. Gehen Sie daher behutsam bei der Wahl Ihrer Partei vor und ordnen Sie gegebenenfalls Ihre Überzeugungen neu. Sie werden sehen: So schwer ist das gar nicht.
Nehmen wir daher die SPD mit einem Durchschnittsalter von 62. Sollten sie etwas jünger sein und dazu noch weiblich, dann haben sie wegen der quotierten Listen in der SPD die besten Chancen.
Clevere Parteiarbeit und das Delegierten-Prinzip
Wer also seine Parteikarriere in der SPD startet, findet sich an seinem ersten Tag als frisch gebackener Sozialdemokrat im Ortsverein wieder. Das ist die unterste Parteigliederung. In Großstädten oder in einem westdeutschen Landkreis kann es bis zu 40 Ortsvereine geben. Zwischen Ortsverein und Landesverband gibt es noch eine oder zwei Zwischenebenen, je nachdem, ob man in einem Stadtstaat oder einem Flächenland wohnt.
Im Osten fehlen der SPD mangels Mitglieder meist diese Zwischenebenen. Ein Ortsverein (OV) umfasst dort teilweise mehrere 100 Quadratkilometer. Oftmals bekommt die SPD hier nicht mal Kandidaten für die Gemeinderatswahlen zusammen. Parteistrukturen existieren teils gar nicht. Es empfiehlt sich daher für den Homo politicus eine Großstadt als Startpunkt. Die sozialdemokratische Diaspora hingegen könnte Ihren Karrieredrang empfindlich hemmen.
In einem ordentlichen Ortsverein werden Sie innerhalb von zwei Jahren als Delegierter in die nächsten Ebenen hochgelobt. Denn auch in der darbenden SPD herrscht chronischer Fachkräftemangel. Erste Voraussetzung für Ihren ersten Sprung: Sie integrieren sich in die Parteiarbeit, gehen regelmäßig zu den OV-Sitzungen, nehmen an den Treffen der Arbeitsgemeinschaften (Jusos, Frauen, Arbeitnehmer etc.) und den angebotenen Arbeitskreisen (Kommunales, Wirtschaft, Soziales etc.) teil. Auch diese AG und AK delegieren wieder Personal nach oben. In irgendeinem dieser Gremien landen Sie dann eher früher als später im Vorstand – als Schriftführer, Beisitzer oder als stellvertretender Vorsitzender. So sind sie im Handumdrehen Parteifunktionär. Zweite Voraussetzung dafür: Sie fallen nicht unangenehm durch endlose Monologe oder allzu extreme Ansichten oder übermäßigen Alkoholkonsum auf.
Gut integriert winkt das erste Mandat
Mittlerweile haben Sie intuitiv gemerkt, welche Vokabeln oder Redewendungen man in der SPD sagen oder nicht nutzen darf. Sie haben fehlerfrei zu gendern gelernt. Werfen sie der CDU regelmäßig „neoliberales Denken“ und „soziale Kälte“ vor. Reden Sie niemals von „Kernenergie“ (zu lieb), sondern von „Atomkraft“ (sehr böse). Und loben Sie ja nicht Gerhard Schröders vermeintliche Leistungen als Kanzler! Hingegen darf man mittlerweile in der SPD bedenkenlos auch von einem „Polizeistaat“ sprechen und zum „gemeinsamen Kampf gegen Arbeitgeber“ aufrufen. Als Juso (unter 35 Jahre) dürfen Sie sich ohnehin des gesamten kommunistischen Vokabulars bedienen. Sie werden von den meisten Älteren dann ein väterlich wohlwollendes bis nachsichtiges Nicken ernten.
Ihr parteipolitisches Zeitbudget nimmt nun etwa drei Abende pro Woche ein. Dazu kommen am Wochenende ab und an Parteitage, Delegiertensitzungen oder Wahlkampfveranstaltungen. Sie stehen am Samstagvormittag hin und wieder in einer verregneten Fußgängerzone am Infostand oder hängen und kleben des Nachts Plakate auf. Doch inzwischen kennen Sie alle wichtigen Genossen Ihres Landesverbands, haben Netzwerke geknüpft, wissen, wer auf Ihrer Seite ist und wer nicht, und wen es zu fördern und wen zu verhindern gilt. Sie beginnen sich jetzt langsam für Machiavelli und politische Biografien zu interessieren und wissen, wann es an der Zeit ist, politische Freundschaften abrupt zu beenden oder neue zu knüpfen.
Und dann ist es so weit: Sie werden in den Kreistag oder die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) oder in den Stadtrat gewählt. Sie sind erstmals Mandatsträger. Je nach Funktion bekommen Sie eine Aufwandspauschale, die auch mal über 1500 Euro im Monat betragen kann. Sollten Sie Mitglied einer der zwölf Berliner BVV sein, dann ist Ihre Aufwandsentschädigung deutlich höher als die eines gewöhnlichen Kreistagsabgeordneten etwa aus Niedersachsen oder Brandenburg – und noch dazu komplett steuerfrei.
Parkbank oder Asylbewerber: Erste politische Profilierung
Ihr Zeitbudget für Politik erhöht sich weiter. Möglicherweise lohnt es sich, in Ihrem regulären Job die Arbeitszeit etwas herunterzufahren. Klar im Vorteil sind zeitreiche Studenten, Lehrer, Teilzeitarbeitende und Beamte. Dagegen können sich Handwerker, Arbeiter, leitende Angestellte oder Selbstständige kaum die Zeit nehmen, um werktags zwischen 18 und 24 Uhr Politik zu machen – oder etwa unter der Arbeitszeit mal schnell was zu organisieren oder zu schreiben.
Echte „Arbeiter“ kennt die SPD deshalb meist nur noch vom Hörensagen. Das Proletariat muss eben morgens zu früh aufstehen. Auch wenn die „Arbeiter“ laut Wahlanalyse zwar seit 2017 zumeist AfD wählen, gehört Politik für die Arbeiterschaft weiter zu Tradition und Folklore der Sozialdemokraten.
Denn Traditionen sind wichtig. Sie stiften Gemeinschaft, Identität, Zugehörigkeit. Und Sie wollen dazugehören. Sie spüren immer stärker das politische Adrenalin aufwallen – auch wenn nur die Nachwahl zum Kassier des Ortsvereins ansteht. Sie können nicht mehr ruhig schlafen, wenn der Parteifreund Ihnen im Vertrauen etwas von einem möglichen Gegenkandidaten zugeflüstert hat. Sie bekommen einen Dopamin-Kick, wenn sie während des Parteitags beim Kaffeeholen hinter Lars Klingbeil in der Schlange warten dürfen. Sie sind so stark von der Politik-Droge angefixt wie ein angehender Heroin-Junkie nach dem ersten Schuss. Und jetzt wird es zum ersten Mal ernst.
Denn als Abgeordneter in Kreistag oder Bezirk haben Sie es nicht mehr nur mit Parteisoldaten, sondern auch vermehrt mit echten Menschen zu tun: Sozialverbände, Handwerk, Sportvereine oder Schulvertreter kommen auf Sie zu – je nachdem, in welchem Ausschuss Sie sitzen und mit welchen Themen Sie sich beschäftigen. Von der viel zitierten Parkbank über die neue Flutlichtanlage für den Sportplatz bis hin zu neuen Schulen, Wohngebäuden oder Asylbewerberheimen – es wird äußerst lebendig und Sie können nun Ihre soziale Kompetenz als Politiker erstmals unter Beweis stellen: Was Ihnen und Ihrer Fraktion nicht in den Kram passt, nicken Sie freundlich weg. Wo Sie Punkte sammeln und Ihr politisches Profil stärken können, müssen Sie beherzt rangehen: Klemmen Sie sich mit viel Elan dahinter und nutzen Sie Ihr mittlerweile breites Netzwerk, um der lahmen Verwaltung Beine zu machen. Ihr Engagement und Ihre Linientreue werden spätestens dann belohnt, wenn es um die wirklich interessanten Posten geht.
Irgendeiner muss ja Verantwortung übernehmen
Es gibt nur zwei gerade Wege zur Kanzlerschaft: über den Bundestag (Schmidt, Merkel, Merz) oder über eine Landesregierung (Kiesinger, Kohl, Schröder). Oft hängt es davon ab, welche Möglichkeiten sich gerade ergeben. Dann heißt es zuzugreifen: Vielleicht gibt es gute Listenplätze für Sie bei der anstehenden Landtagswahl; vielleicht ist ein honoriger Bundestagsabgeordneter zurückgetreten oder ein jüngerer zum Landesminister befördert worden; oder das letzte Wahldebakel hat den gesamten Landesvorstand weggefegt und der neue Vorstand wird mit Leuten aus der zweiten Reihe besetzt. Das politische Schicksal zeigt sich auf die wundersamsten Arten. Manchmal zeigt es sich auch gar nicht.
Nur eines ist sicher: Wer die Biografien von Landtags- oder Bundestagsabgeordneten durchstöbert, stellt fest, dass die meisten in der Kommunalpolitik angefangen haben. Und: Egal, ob fleißig oder nicht – ohne ein verlässliches Netzwerk, eine stabile Seilschaft, gute Kontakte und ein hilfreiches Team ist keiner von Ihnen zu seiner Kandidatur und einem aussichtsreichen Listenplatz gekommen. Der eine hat für seine Poleposition mehr in den parteiinternen Hinterzimmern gemauschelt, der andere hat sich für seine Direktwahl vor Ort bei den Menschen engagiert.
Wie auch immer: Nun bietet sich ein aussichtsreicher Wahlkreis oder ein vorderer Listenplatz für Bundestag oder Landtag an. Sie haben sich natürlich nicht aufgedrängt, sondern lassen sich drängen, und greifen dann schweren Herzens zu: Irgendeiner muss ja Verantwortung übernehmen.
Variante 1: Das ruhige Landtagsmandat
In Landtagen geht es gemütlich zu. Die meiste Zeit verbringen Sie zuhause im Wahlkreis. Das haben Sie sich nach dem anstrengenden Wahlkampf für die nächsten fünf Jahre auch redlich verdient. Einmal im Monat geht es in die Landeshauptstadt für meist zwei, selten drei Plenartage. Im Magdeburger Landtag sind für dieses Jahr beispielsweise exakt 18 Tage fürs Plenum vorgesehen, verteilt auf neun Wochen im Jahr. Wenn man etwa Mitglied im Wirtschaftsausschuss wäre, kämen nochmals maximal zehn Tage dazu. Beschränken Sie sich daher auf nur einen Ausschuss, wie es viele der erfahrenen Kollegen praktizieren. Schärfen Sie so Ihr Profil als versierter Fachpolitiker, statt sich als Hans Dampf in allen Gassen zu verlaufen.
Wie damals zu Schulzeiten genießen Sie nun wieder 13 Wochen Ferien pro Jahr. Außerdem werden Sie zwar nicht fürstlich, aber immerhin richterlich vergütet: In Sachsen-Anhalt beträgt die Grundvergütung Ihrer Diäten 9138,55 Euro pro Monat, genauso viel wie ein Richter (R1) am Amtsgericht bekommt. Dazu kommt eine monatliche Unkostenpauschale in Höhe von 2372,27 Euro etwa für Bleistifte oder Ihr Wahlkreisbüro. Und der Steuerzahler finanziert Ihnen auch noch einen Mitarbeiter nach Entgeltgruppe 10, Stufe 6 des Tarifvertrags der Länder, also mit monatlich 5644,20 Euro. Beschäftigen Sie am besten Ihren Partner oder Ihren Vater, dann bleibt das Geld in der Familie. Schließlich sind Diäten und Mitarbeiterentgelt steuerpflichtig!
Diäten, Ferien, Altersvorsorge – die gerechte Entlohnung
Gut, dass Sie in Sachsen-Anhalt ein Mandat ergattern konnten. In Berlin etwa würden Sie nur 8161 Euro an Diäten bekommen. Allerdings wäre die monatliche Unkostenpauschale für Ihre Bleistifte in der Hauptstadt mit 3304 Euro pro Monat wesentlich höher und Sie können 8057 Euro monatlich für Mitarbeiter beanspruchen, zuzüglich der gesetzlichen Lohnnebenkosten. Hm – so gesehen schneidet der Berliner besser ab, die Unkostenpauschale ist nämlich immer steuerfrei. Allerdings ist ein guter Listenplatz bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Gold wert, während das komplizierte Berliner Wahlsystem je nach Partei und Art der Liste überwiegend auf den Gewinn eines Wahlkreises setzt. Das kommt für die SPD zwar eh nicht mehr in Frage, aber sicher ist sicher.
Und auch gut, dass Sie nicht in einem der bevölkerungsreichen Flächenländer wie etwa Niedersachsen gelandet sind. Dort hätte Sie für weniger Geld wesentlich mehr Anwesenheitspflicht erwartet: In Hannover sind dieses Jahr 26 Plenartage und für einen Hauptausschuss auch schon mal 22 Sitzungen vorgesehen. Die armen Westkollegen!
Ruhige Kugel schieben oder Regierungsamt anvisieren?
Sie haben nun als MdL die Wahl: Wollen Sie eine ruhige Kugel schieben und es lediglich auf zwei, drei Wiederwahlen anlegen und sich dann mit einer üppigen Pension ganz und gar Ihren Hobbys widmen? Nach drei Legislaturperioden stehen Ihnen immerhin etwas mehr als 4100 Euro zu. Ja? Dann nehmen Sie die Pflichtveranstaltungen im Landtag brav als Hinterbänkler wahr, beschwichtigen Sie Ihre Gremien und die wichtigsten Stakeholder im Wahlkreis ab und an mit einem Lebenszeichen und beschränken sich ansonsten auf die Pflege Ihrer Seilschaften, bis in vier Jahren wieder Listenaufstellung und Wahlkampf in Sicht kommen.
Wollen Sie sich hingegen für einen Posten in der Landesregierung empfehlen, dann müssen Sie etwas Gehirnschmalz investieren und sich detailliert in Ihr Fachgebiet einarbeiten. Falls die Suche nach einem Experten für das Ministeramt beginnt, dann sollten Sie die logische Antwort auf alle Gebete sein. Da Sie Ihre soziale Kompetenz und Linientreue längst bewiesen haben, mit mehreren Funktionärsposten und stabilen Seilschaften gesegnet sind, rutschen Sie vielleicht auch ohne Fach-Expertise in ein Ministerium. Schließlich hatte Lars Klingbeil von Finanzen auch kaum Ahnung. Aber noch sind Sie nicht Parteivorsitzender wie Genosse Lars und müssen daher etwas Fachwissen büffeln.
Variante 2: Die politische Elite im Bundestag
Der MdL im Landtag ist eher der solide, aber langweilige VW Golf unter den politischen Mandaten. Mit dem Bundestag und dem MdB winkt hingegen die Mercedes S-Klasse. Ruhm, Status, Geld – und Mama wird unendlich stolz auf Sie sein. Ihre besten Freunde werden hingegen vor Neid erblassen:
Monatliche Diäten in Höhe von 11.833,47 Euro, steuerfreie Aufwandspauschale von monatlich 5467,27 Euro, monatliche Mitarbeiter-Pauschale in Höhe von 27.396 Euro, jährlich 12.000 Euro aus dem „Sachleistungskonto“ und gratis BahnCard 100 (Netzkarte). Jetzt können Sie endlich die schlecht sitzende provinzielle Landtagstracht gegen Designer-Mode tauschen, um Ihrem neuen Status auch bei der nächsten Ortsvereinssitzung zuhause gebührend Ausdruck zu verleihen.
33 Wochen harte Wahlkreisarbeit
Allerdings: Sie sind jetzt 22 von 52 Wochen im Jahr in Berlin und benötigen dort wohl eine Wohnung. Doch sogar in der gammeligen Hauptstadt erreichen die Immobilienpreise langsam Münchener Niveau – das wird teuer. Doch die restlichen 30 Wochen können Sie sich dann wieder mit harter Wahlkreisarbeit beschäftigen. Immerhin organisiert der Ältestenrat des Bundestags den Sitzungskalender großzügig. Dabei wird laut Bundestagsverwaltung insbesondere darauf geachtet, „dass Abgeordnete aus allen Bundesländern gemeinsame Ferienwochen mit ihren Kindern haben können“.
Falls es die schwarzen Kollegen von der Union mit ihrem „Abriss des Sozialstaats“ nicht übertreiben, könnte die Legislatur ohne Explosion ordentlich vier Jahre lang laufen. An den Sozis soll’s nicht liegen. Dann hätten Sie schon zehn Prozent Ihrer Diäten für später als Pension gesichert: fast 1200 Euro. Nach der zweiten Amtszeit wären es bereits fast 2400. Halten Sie sich ran.
Höchste Zeit, im Willy-Brandt-Haus anzuklopfen
Sie sind jetzt oben angekommen. Um nach ganz oben zu gelangen, benötigen Sie eine multiple Strategie – egal ob Bundestag oder Landtag: Sie sollten zum einen engagiert Politik machen und sich ernsthaft um Themen, Ihren Wahlkreis und die Menschen kümmern und gegen faule Kompromisse kämpfen, aber sich nicht verkämpfen. Zum anderen dürfen Sie die Partei-Organisation und die diversen Funktionärsebenen nicht außer Acht lassen, auch Ihre Homebase nicht. Denn hier werden Sie auch nach Erfolg und Engagement beurteilt und wieder für die nächsten Wahlen nominiert. Und falls Sie noch nicht bei Lars im Bundesvorstand angekommen sind, wird es jetzt höchste Zeit, im Willy-Brandt-Haus anzuklopfen.
Unverzichtbar ist zudem eine gute Medienarbeit. Seit Ihren Anfängen als Kommunalpolitiker haben Sie sich ein stetig wachsendes Netzwerk an verlässlichen Journalisten-Kontakten aufgebaut. Gleichzeitig sind Sie regelmäßig und authentisch in den sozialen Medien unterwegs – da hapert es bei den meisten Kollegen gewaltig. Ebenso bei der freien Rede oder Auftritten vor der Kamera. Von Öffentlichkeitsarbeit und Merchandising gar nicht zu reden. Ein verlässliches und kompetentes Team ist daher unerlässlich – genug Geld für Mitarbeiter und Fortbildung haben Sie ja. Nur Zeit fehlt Ihnen immer mehr.
Viel Glück und Erfolg – trotz SPD-Parteibuch
So. Jetzt haben Sie aber alles getan und die besten Voraussetzungen geschaffen. Doch nicht nur Sie. Die innerparteiliche Konkurrenz schläft nicht. Politik und Machterwerb sind schwer zu kalkulieren: Vielleicht war die SPD die falsche Partei für Sie. Oder Sie haben Ihre Polit-Karriere in der falschen Region begonnen. Jemand anderes war womöglich zur rechten Zeit schneller am rechten Ort als Sie. Vielleicht klappt es aber auch. Wir wünschen Ihnen jetzt auf alle Fälle viel Glück und Erfolg und – trotz SPD-Parteibuch – eine zeitnahe Kanzlerschaft!
P.S.: Falls es nicht klappt: Hoffentlich haben Sie neben Ihrer politischen Karriere einen ordentlichen Beruf erlernt. Denn sonst müssten Sie sich in die Schlange der mandatsabhängigen Profipolitiker einreihen. Das wäre traurig.